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Erlebnisse und Erkenntnisse anlässlich eines Sylt-Aufenthalts im Herbst 2018

Dienstag, Oktober 30th, 2018

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

auch dieses Jahr wieder wurden meine Frau und ich während unserer Sylt-Anreise per Auto spätestens dann auf DIE INSEL eingestimmt, als wir in Niebüll auf den Sylt-Shuttle fuhren.  Deichschafe auf dem Hindenburgdamm  und Galloway-Rinder auf den Sylter Salzwiesen  des Keitumer Familien-Unternehmens SYLT-GUT (Familie Andersen) begrüßten uns. Und schon freuten wir uns auf ausgedehnte Strandspaziergänge, auf die Musik in der Muschel am Brandenburger Strand von Westerland und die alljährlich dort im Herbst stattfindenden Surf-Weltmeisterschaften, welche neben dem traditionellen Biikebrennen vom 21. Februar  der Insel alljährlich einen zusätzlichen Touristenstrom bescheren. Die Beobachtungen konzentrieren sich auf die dem Fleischerei-Sektor benachbarten Gastronomie- und Hotellerie-Branchen. Denn ein Blick in Nachbarbranchen, und noch dazu auf Sylt, wo sich Touristen aus ganz Deutschland treffen, könnte Ihnen entscheidende Impulse geben zu überprüfen, inwieweit Ihre Fleischerei/Metzgerei derzeit zielgruppengerecht aufgestellt ist.

Eine erste Erkundung im Gastronomie-Sektor zwischen Westerland, Kampen und List (mit seinem Heimathafen für die Sylt-Fähre) folgte am nächsten Tag. Die Unternehmensgruppe GOSCH mit ihren Fischrestaurants ist auf Sylt quasi omnipräsent.

Es sind die maritimen Spezialitäten wie die legendären Fisch-Brötchen, es ist der „Fisch vom Grill“ und es sind die GOSCH-Klassiker, die „heiß geliebt oder kalt gemacht“ die Gäste und Kunden erfreuen. Es ist ein über die Jahre sorgsam kultiviertes Preis-Leistungsverhältnis, es ist die Konstanz in Produkt-Qualität und Service, die beim Kunden oder Gast für Kauf entscheidende Emotionen sorgen. Sei es ein Filial-Standort in einer der Haupteinkaufsstraßen von Westerland, sei es ein Standort hoch in den Wenningstedter Dünen mit Blick aufs Meer oder sei es „die nördlichse Fischbude Deutschlands in List“:   GOSCH ist an so manch einem exponierten Standort Sylts vertreten – und setzt zudem seine Expansion längst auf dem Festland fort.

An vielen zentralen Orten vertreten ist ferner Fisch Blum Sylt, der in seinen Filialen laut eigener Aussage „ein großes Angebot an erlesenem Frischfisch sowie veredelten Fischspezialitäten aus (…) eigener Räucherei und Salatmanufaktur“ vorhält. Neben dem Direkteinkauf in den Filialen und möglichem Verzehr im jeweils angrenzenden Bistro könnten Sie die Online-Betellmöglichkeiten nutzen und zwischen den Alternativen wählen: „BLUM Fisch-Spezialitäten einfach nach Hause liefern lassen oder direkt in den Filialen auf Sylt abholen“.

In Keitum punktet auf der Wattseite punktet Nielsen’s Kaffeegarten als inhaber-geführtes Unternehmen, das im Jahre 2019 sein hundertjähriges Bestehen  feiern wird. Hoch über dem Watt und folglich ruhig gelegen ist das Unternehmen nach einer umfangreichen Renovierung seit Mai 2017 wieder geöffnet. Mein Kontakt zur Familie  Nielsen ermöglichte mir sodann, über die Tochter Ophelia und einen ihrer Kollegen Informationen zum Alleinstellungsmerkmal des Betriebes zu erhalten: Es sei die exponierte Lage mit Aussenterrasse hoch über dem Watt und mit entsprechend grandiosem Ausblick, die in Verbindung mit dem ausgesuchten Angebot an Backwaren eine solide Stammkundschaft generiert habe. Die variantenreiche Auswahl an Brötchen, Kuchen und Torten sei grundsätzlich in Handarbeit selbst gemacht. Hergestellt werde nach tradierten Familien-Rezepten, die vielfach seit nahezu einhundert Jahren unverändert genutzt würden. Derzeit seien sechzehn verschiedene Torten im Angebot, die teilweise auf die Saison abgestimmt sind.

Natürlich habe ich es mir gemeinsam mit meiner Frau nicht nehmen lassen, während des Kaffeetrinkens eine Spezialität des Hauses genießen: Die Friesentorte mit selbst gemachtem Pflaumenmus, so die Tochter Ophelia, enthalte auch einen ganz bestimmten Prozentsatz an Zimt, wodurch ein besonderer geschmacklicher Effekt erzielt werde.

Und auch dieses Jahr haben wir es nicht versäumt, in List  der SYLTER ROYAL Austernstube, die auch als Bistro Austernmeyer bekannt ist, einen Besuch abzustatten, – hatte doch der letztjährige Genuss einer Meeres-Preziose vor Ort einen nachhaltigen Eindruck bei uns hinterlassen. Wir sollten nicht enttäuscht werden. Es war für uns beeindruckend zu erleben, wie dieser Betrieb durch sein Angebot, sein Ambiente und seinen Service seine Identität bewahrt hat. Lesen Sie hierzu bitte den Fleischer/Metzgerblog-Beitrag „Regional-Produkt mit Kultstatus“; denn ich könnte auch dieses Jahr meine Eindrücke nicht besser formulieren.

Nach wie vor strömt Kapital auf die Insel, und auch der südliche Teil Sylts rund um Hörnum entwickelt sich. Luxus-Hotels wie das A-ROSA Sylt in List oder das Budersand Hotel – Gold & Spa – Sylt in Hörnum machen so manch einen Sylt-Besuch zu einem besonderen Erlebnis.

Doch der Zustrom von Kapital hat auch seine Schattenseiten. Die Immobilienpreise steigen seit Jahren und mit ihnen die Mieten. Und unter dem Druck steigender Mieten ist so manch ein Insulaner/In, der auf Sylt als Angestellter sein Geld verdient gezwungen, eine günstigere Wohnung auf dem Festland zu suchen – und muss zu diesem Zweck täglich zwischen Sylt und seinem Festland-Wohnort pendeln. Zwar gibt es auf Sylt eine mehrgeschossige, separat liegende „Personal-Unterkunft“, die jedoch den Behörden-Angestellten vorbehalten sein soll.

In Keitum ist das Restaurant „Fisch-Fiete“ inkl. Bistro weiterhin geschlossen. Im Aushang informieren folgende Schilder: „Aufgrund unvorhergesehener bürokratischer Schwierigkeiten verzögert sich die Wiedereröffnung auf unbestimmte Zeit. Sobald wir einen Eröffnungstermin benennen können, informieren wir Sie hier.“ Daneben ist ein weiterer Hinweis: „Wir planen die Wiedereröffnung nunmehr für OSTERN 2019“.

Während es in Westerland in der Friedrichstraße nachmittags möglich war, sowohl im Café Orth als auch im Diavolo einen frei werdenden Tisch problemlos anzusteuern und sich dort niederzulassen, erwarteten viele Restaurants abends eine rechtzeitige Reservierung. Umso überraschter waren wir in der Westerländer Strandstraße, als man uns im Bistro vom Hotel Stadt Hamburg mitteilte, wir wären willkommen, man nähme jedoch grundsätzlich keine Reservierungen entgegen. Als wir dann abends im 18h30 dort eingekehrt waren, füllte sich das Bistro in relativ kurzer Zeit überwiegend durch Hotelgäste bis auf den letzten Platz.

Es grüßt Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Bücher für die Fleischer/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Ernährungs-Tendenzen und Verzehr-Trends, Kundenwunsch-Wandel und örtliche Infrastruktur

Donnerstag, Oktober 4th, 2018

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
als regelmäßiger Leser der Beiträge im deutschen Fleischer/Metzgerblog werden auch Sie sicherlich die eine oder andere Anregung zur Konkurrenzbeobachtung aufgegriffen haben. Ihre Besuche vor Ort oder Analyse der jeweiligen Konkurrenz-Website ermöglichen Ihnen eine erste Aussage darüber, inwieweit der betreffende Betrieb ein deutlich wahrnehmbarer Profil besitzt und/oder inwieweit er sich gar von der regionalen oder lokalen „Konkurrenz auf Augenhöhe“ unterscheidet.

Des weiteren könnten folgende Fragen aufschlusssreiche Antworten nach sich ziehen:

Was ist die Grundaussage der Fachfleischerei meines Konkurrenten?
Welche Nutzenstiftung verspricht sein Angebot der Kundschaft?
Hat er gegebenenfalls ein deutlich sichtbares Alleinstellungsmerkmal?
Bedient Ihr regionaler „Konkurrent auf Augenhöhe“ den laufenden Wünschewandel besser oder wesentlich anders als Sie?
Geht er mit dem Mainstream oder ganz bewusst dagegen?

Ferner: Wie viele Ihrer regionalen Wettbewerber auf Augenhöhe sind bereits ähnlich aufgestellt?

Falls Sie hier ein gewisses Maß an Übereinstimmung unter Ihren regionalen Kollegenbetrieben erkennen: Lässt sich daraus eine Tendenz oder gar ein deutlich wahrnehmbarer Trend erkennen, den Sie auf keinen Fall verpassen sollten?

Des weiteren: Wie hat sich die Infrastruktur Ihres Ortes oder Ihres (Groß)-Stadtteils in den letzten Jahren verändert oder entwickelt?

Wie stabil ist die mittelständisch geprägte Struktur?
Könnte eine neue Supermarkt- oder Discounter-Niederlassung in der Nähe einer Fachfleischerei Fluch oder Segen für den handwerklich ausgerichteten Betrieb sein?
Wie sollten Sie in einem solchen Fall reagieren?

Für entsprechende Beobachtungen und Analysen werden Sie persönlich nicht immer die Zeit und Gelegenheit haben, erfordert doch die handwerkliche Herstellung Ihre Präsenz und Ihren persönlichen Einsatz in der Produktion. Deshalb könnte es Sie interessieren, weiterhin von intensiven Beobachtungen und Rückschlüssen zu profitieren, die ich derzeit während meines alljährlichen Herbstaufenthaltes auf Sylt sammle.

Warum Sylt?
Abgesehen von einer persönlichen Vorliebe für DIE INSEL bietet Sylt auf einer Nord-Süd-Länge von ca. 40 Kilometern und einer durchnittlichen Breite von ca. einem Kilometer „Übersicht auf kleinem Raum“. Laufend wechselnde Touristenströme aus ganz Deutschland hinterlassen bei Hotellerie und Gastronomie, bei kulinarischen Direktvermarktern sowie im Einzelhandel einen deutlich sichtbaren Fussabdruck aktueller Kundenwünsche.
Ein Dorado für kreative Köpfe, die Ernährungs-Tendenzen und Verzehr-Trends aufgreifen und innovativ bedienen!
Mein diesjähriger Aufenthalt auf der Nordseeinsel geht in Kürze zu Ende. Noch im Oktober 2018, so ist die Planung, werde ich hier im deutschen Fleischer/Metzgerblog meine aktuellen Eindrücke vorstellen.

Es grüßt Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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