Posts Tagged ‘Silver-Surfer’

Halbzeit 2020

Mittwoch, Juli 1st, 2020

Konsumlust in pandemischen Zeiten

Sehr geehrter Herr Fleischer-/Metzgemeister, auch im Jahre 2020 setzen wir die im Jahre 2009 aufgelegte „Halbzeit“-Serie im deutschen Fleischer-/Metzgerblog fort:

Die alljährlich signifikante Änderung der Kundenstruktur in Ihrem Ladengeschäft während der Sommerferienzeit könnte Sie auch in 2020 zu einer ersten Bestandsaufnahme Ihrer betrieblichen Entwicklung des laufenden Jahres veranlassen. Beim Vergleich signifikanter Kennzahlen Ihrer monatlichen BWAs erhalten Sie eine Basis, auf der Sie nach den Ursachen Ihrer betrieblichen Entwicklung forschen können. Und wahrscheinlich machen auch Sie persönlich eine solche vergleichende Gegenüberstellung nicht das erste Mal.

Doch in 2020 ist so manches anders. Ein Virus hält die Welt in Atem und verunsichert den (End)-Verbraucher auch in Deutschland. Regionale Corona-Hotpots haben temporäre Lock Downs so manch eines Landkreises zur Folge. Maskenpflicht beim Betreten von Geschäften reduziert die Konsumlust. Kontaktbeschränkungen, Begrenzungen der jeweils temporär zulässigen Kundenzahl im Ladengeschäft haben vielfach signifikante Warteschlangen schon außen vor dem Betrieb zur Folge.

Unter den fünf MEGA-Trends, die in näherer Zukunft nach Analyse vom Zukunftsinstitut die Unternehmen besonders prägen, ist es die Silver Society, welche auch in 2020 für Ihren Fleischer-Fachbetrieb eine entscheidende oder gar zentrale Bedeutung hat. Deren Vorliebe für persönliche Beratung, Metzger-Qualität und –Frische sowie Herkunftssicherheit durch Regional-Einkauf macht sie zu Stammkunden oder Intensiv-Verwendern IHRES Betriebes. Denn preisaggressive Discounter und beratungsarme Supermärkte setzen ihre Attraktivitäts-Schwerpunkte anders.

Mit ihrer Gelassenheit und ihrer ausgeprägten Bereitschaft zur Betriebs-Treue bildet diese Generation 50+ ein Potenzial, das Sie sich kontinuierlich erschließen sollten. Die Zahl der Fleischer-Fachbetriebe wächst, die durch Vertrauen schaffende Maßnahmen NEU-Kunden generieren und/oder Stammkunden binden. Zu diesen Maßnahmen gehört die laufende Aktualisierung Ihrer Website. Darüber hinaus könnten auch Sie über einen Spot auf Ihrem Laden-Monitor den Kunden an einzelnen Stufen Ihrer Wertschöpfungskette teilhaben lassen.

Da die Generation der Silver Surfer überwiegend Ein- und Zwei-Personen-Haushalte umschließt, könnten Sie hier mit entsprechend portionierten Angeboten Ihres Sortiments  punkten.

Die Kundengruppe 50+ hat es zudem gern bequem. Zubereitungsfertige oder gar verzehrfertige Produkte genießen auch in pandemischen Zeiten große Wertschätzung. Die heutzutage vielfach üblichen mobilen Arbeitszeiten haben mobile Essenszeiten zur Folge. Mobile Essenszeiten sind eine ständige Herausforderung für die Hausfrau und erfordern eine Essenszubereitung, die schnell und einfach geht. Convenience-Produkte versprechen hier die Problemlösung.

Während der aktuellen Pandemie wird auch so manch ein Stammkunde aus der Generation 50+ die Zahl seiner Besuche in Ihrem Ladengeschäft herunterfahren. Das heißt: Er kauft pro Besuch mehr ein als zuvor. Die nahe liegende Folge: Der Verkauf von Dauerwaren aus Ihrem Sortiment wird zunehmen.

Verminderte Kundenfrequenz bedeutet gleichzeitig: Sie haben pro Kunde mehr Zeit für Beratung und Small Talk. So konnten und können Sie bei der Gelegenheit geschickt  herausfinden, welches Angebot Ihr Kunde derzeit am meisten vermisst oder mit welcher neuen Produkt-Varietät Sie ihn gerade jetzt in pandemischen Zeiten besonders erfreuen könnten. Ihre Initiative könnte sich umso eher auszahlen, je schneller Sie aus der Sicht der Kunden hierbei Kompetenz für Service und Qualitätsführerschaft auch in kritischen Zeiten aufbauen.

Es grüßt Sie freundlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)
Moderator vom genuss-affinen Regional-Portal Kulinarisches-OWL.de
Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Ihre Fleischerei/Metzgerei – aus einem besonderen Blickwinkel betrachtet

Mittwoch, September 1st, 2010

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

sicherlich ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Die (Groß)-Städte Deutschlands werden sich in der Innenstadt immer ähnlicher, denn die Ladengeschäfte werden vielfach von den gleichen Mono-Stores großer Hersteller geprägt. Der Konsument findet in einem derartigen Mono-Marken-Store in aller Regel eine besonders große Auswahl der Marken-Artikel des betreffenden, den Mono-Store betreibenden Herstellers. Da sich vielfach Mono-Stores weiterer Marken-Artikel per Fußläufigkeit erreichen lassen, braucht sich ein Konsument vor Antritt seiner Shopping-Tour keine allzu großen Gedanken zu machen, wen er wann oder in welcher Reihenfolge aufsucht. Vielfach lässt er sich sogar einfach treiben. Folge: Die Mono-Stores steigern gemeinsam ihre Zielgruppen-Attraktivität und profitieren wechselseitig.

Zieht man daraus den nahe liegenden Schluss, ein Mono-Store sei ein praktikables Geschäftsmodell, so werden Sie – vielleicht ein wenig überrascht – feststellen, wie nah Sie mit Ihrem Fleischer-Fachgeschäft diesem Modell offensichtlich bereits seit längerer Zeit kommen. Denn: Vielleicht offerieren auch Sie eigen fabrizierte Produkte in solider Qualität und bemerkenswert großer Auswahl und verzichten auf (Endprodukte)-Zukauf.

Einmal abgesehen von den struktur-immanenten Schwierigkeiten einer Fleischerei-Filialisierung ist es jedoch ein Faktor, der es Ihnen erschwert, sich in das Mono-Store-Segment verstärkt einzubringen:

Lebensmittel inkl. Fleisch und Wurst werden in aller Regel nicht „en passant“ eingekauft. Selbst dann, wenn Ihr Ladengeschäft in einer Fußgängerzone liegen sollte, fällt die Entscheidung, Ihre Fleischerei/Metzgerei aufzusuchen zu einem sehr hohen Prozentsatz bereits im Hause des Kunden. Das ist aber gleichzeitig Ihre Chance. Denn das bedeutet:

Der Kunde nutzt die ihm zur Verfügung stehenden Informations-Quellen, sich vorab sachkundig zu machen. Und eine solche Informationsquelle ist das Internet, das von einer zunehmenden Zahl von Usern genutzt wird. Der Einkauf beginnt heutzutage mit dem Blick ins Internet, mit dem Blick auf Ihre Website. Je beständiger diese von Ihnen zielgruppengerecht aktualisiert wird, umso besser werden Sie wahrgenommen. Zudem: Selbst die absolute Zahl der „Silver Surfer“ steigt weiter, auch ihr prozentualer Anteil an den Internet-Usern nimmt zu. Und: Die Gruppe der 50 – 59Jährigen verfügt über die meiste Kaufkraft.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)