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Qualitätsführerschaft und Emotionale Intelligenz

Sonntag, April 23rd, 2017

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

schon immer haben Sie aus Überzeugung die Qualität Ihrer handwerklich hergestellten Erzeugnisse hoch gehalten. Und Sie wissen um die verkaufsfördernde Bedeutung regionaler Herkunft Ihrer (Grund)-Produkte.

Qualitätsführerschaft

Während Supermärkte und Discounter Ihres Ortes oder Stadtteils die Sortiments- und Preisführerschaft für sich beanspruchen, ist die Domäne oder strategische Zielsetzung der handwerklich strukturierten Fleischerei/Metzgerei die Qualitätsführerschaft. (mehr …)

„Der Wünsche- und Wertewandel erfordert kreatives Handeln!“ – Neue Anregungen auf dem 21. Handelsforum OWL in Bielefeld – Teil eins

Donnerstag, April 30th, 2009

Am 29. April hatte der Einzelhandelsverband Ostwestfalen-Lippe e. V., vertreten durch den Vorsitzenden Ferdinand Klingenthal und den neuen Hauptgeschäftsführer Thomas Kunz zum 21. Handelsforum OWL in die Bielefelder Stadthalle geladen.
Das diesjährige Motto lautet: „Tempel, Malls und Galerien – wo findet der Handel der Zukunft statt?“
Interessanterweise werden hierbei Shopping-Szenarien der Zukunft aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Die Referentin und Referenten des 21. Handelsforums OWL in Bielefeld sind:

Jeanette Huber, Mitglied der Geschäftsleitung Zukunftsinstitut GmbH, Kelkheim
Prof. Dr. Claudius Schmitz, Hochschullehrer und Unternehmensberater, Gelsenkirchen

Dr. Tobias Just, Leiter Branchen- und Immobilienanalyse, Deutsche Bank Research, Frankfurt
Prof. em. Thomas Sieverts, skt umbaukultur, Architekten und Stadtplaner, Bonn

Heinz Wirz, Vorstandsmitglied Bund der Steuerzahler NRW, Düsseldorf
Christian Dohnt, Verkaufsleiter Nord, GALERIA Kaufhof GmbH, Köln

Die Moderation liegt auch dieses Jahr wieder in den Händen von Corinna Lampadius, TV-Moderatorin und Journalistin, Hamburg

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Gruppen-Foto (von links): (Zur Vergrößerung bitte Doppelklick aufs Foto)

Thomas Kunz, Christian Döhnt, Corinna Lampadius, Prof. Dr. Claudius Schmitz, Jeanette Huber, Ferdinand Klingenthal, Heinz Wirz

Foto: Hr. Holzkamp

Pünktlich um 10 Uhr vormittags begrüßt Ferdinand Klingenthal die ca. 140 Teilnehmer, dankt dem Sponsoren-Team und sensibilisiert die Hörer sogleich durch einen ganz entscheidenden Satz:

„Diese Krise wird uns wirklich herausfordern.“

Ergänzend fügt er hinzu:
„Größe allein genommen wird nicht zur Krisenbewältigung ausreichen; – vielmehr gilt es, eine Form von Stärke zu entwickeln, die in besonderer Hinwendung zum Kunden besteht.“ Es gälte in Zukunft, „Kundenorientierung täglich neu zu erarbeiten“.

Es liegt dann in den Händen von Corinna Lampadius, Jeanette Huber als erste Referentin des Tages kurz vorzustellen.

Jeanette Huber widmet sich sodann dem Thema:


Shopping-Szenarien 2020 –
Wo kauft der Kunde und warum?


Ich fasse die entscheidenden Aussagen der Referentin, so wie ich sie verstanden habe, nachstehend zusammen.

Die erste Kernaussage: „Der Kunde kauft in Zukunft „cheap-chic“ statt Discount oder Premium.“

Der Kunde, so die Referentin, erwarte in Zukunft „mehr Leistung für weniger Geld“. Es würden solche Betriebe Trendwinner sein, die es verstünden, Innovation und Discount miteinander zu verbinden. Innovative Unternehmen der Systemgastronomie wie Vapiano oder Mosch Mosch hätten eine neue Positionierung zwischen Premium und Discount gefunden, indem sie zusätzliche Attraktionen mit der Kunst des Weglassens verbänden.

Die zweite Kernaussage: „Der Einkauf beginnt mit dem Blick ins Internet. Die Informationssuche wird mobil.“

Der Einkauf begänne für viele Konsumenten zunächst virtuell. Man ginge ins Netz, um Produkte zu vergleichen. 70 Prozent der (Website-)Besucher schauten hierbei zunächst auf den Preis. Die Zahl weiblicher Online-Käufer steige. Deutschland habe darüber hinaus bereits 6,2 Millionen „Silver-Surfer“, die gleichzeitig die derzeit am schnellsten wachsende Gruppe stellten.

Die dritte Kernaussage: „Es gibt eine Shoppingapathie.“

Früher, so die Referentin des weiteren, hätten die Produkte der materiellen Bedarfsbefriedigung gedient; – heute hingegen hätten wir gesättigte Märkte. Das führe zu einer Umkehr der bekannten Maslowschen Pyramide, die eine Hierarchie menschlicher Bedürfnisse darstellt. Während früher das Ranking körperliche Grundbedürfnisse, Sicherheit, Soziale Beziehungen, Anerkennung und letztlich Selbstverwirklichung lautete, sei die Reihenfolge heute umgekehrt:

Selbstverwirklichung, Anerkennung, Soziale Beziehungen, Sicherheit, körperliche Grundbedürfnisse

Diese -geänderte- Grundhaltung führe zu einer gewissen Shoppingapathie, die es zu durchbrechen gälte.

Die vierte Kernaussage: „Die „neuen Alten“ (biologisch immer älter und mental immer jünger) werden zur wichtigsten Konsumgruppe der Zukunft.“

Wir erlebten einen demographischen Wandel. Deutschland werde älter. Die Zahl der Ein- und Zweipersonen-Haushalte nähme zu. Dieser „Trend zur Individualisierung“ hätte Folgen: Die Suche nach Gemeinschaft wachse.

Daraus abgeleitet folgt die fünfte Kernaussage: „Der Kunde kauft dort, wo er Anlässe und Orte der Gemeinschaft findet.“

International gäbe es die ersten Unternehmen, die sich diesen Trend zunutze machten. So biete die belgische Kette „Le pain quotidien“ in ihren „Lokalen“ einen „runden Tisch“ an, an welchem sich –im Unterschied zu dem in Deutschland bekannten Stammtisch- Leute zusammensetzten, die sich vorher nicht kannten, aber gern mit anderen ins Gespräch kommen wollten. Auch würden Einzelhandelsgeschäfte mit einer kleinen Bar oder einem angeschlossenen Restaurant (Beispiel IKEA), bzw. Friseurgeschäfte mit einer Kaffeebar die Wohlfühl-Atmosphäre und Verweildauer des Kunden erhöhen.

Die sechste Kernaussage: „Der Kunde kauft dort, wo er Anerkennung und Raum zur Selbstverwirklichung findet.“

In Anlehnung in die erwähnte Maslowsche Pyramide werde in gesättigten Märkten die Möglichkeit zur „Selbstverwirklichung“ des Kunden zum entscheidenden Attraktivitäts-Merkmal eines Unternehmens. Deshalb lautet die Empfehlung der Referentin:
„Machen Sie den Kunden zum Mittelpunkt Ihres Interesses und Ihres Unternehmens; heben Sie ihn „auf die Bühne“.“

Die siebte Kernaussage: „Wünsche und Werte werden wichtiger als Produkte.“

Die ökologische Frage werde zum Treiber der Gesellschaft. Die Kundengruppe der Lohas (Lifestyle of health and sustainibility), die nachhaltig nach der eigenen Gesundheit und der Gesundheit unseres Planeten strebten, werde an Einfluss gewinnen. Die Befriedung nicht-materieller Wünsche und Sehnsüchte wie Gemeinschaft, Anerkennung und Selbstverwirklichung werde an Bedeutung zunehmen.

Das soeben hier oben Dargestellte ist ein Komprimat aus den mit Überzeugung und fachlicher Kompetenz vermittelten Aussagen der hochkonzentrierten Referentin, die es verstanden hatte, das Auditorium zu fesseln.

Durch die anschließende Moderation gelingt es Corinna Lampadius, u. a. beim Thema „Event“ noch ein wenig nachzuhaken, und die Referentin erläutert sinngemäß ferner:

Es wird in Zukunft entscheidend (für Ihren Verkauf) sein, den „Kunden partizipieren zu lassen“. „Lassen Sie den Kunden etwas machen!“ Man solle Marketing mit sozialen Aktionen verbinden, indem man sich frage, was man fördern könne. Der Handel solle Garantien geben (Umtauschrecht, Rückgaberecht etc.). Jeder Event müsse dem Kunden nicht nur ein Erlebnis bringen, sondern es müsse vor allem etwas Sinnvolles für ihn persönlich dabei herausschauen.
Soweit die Referentin

Natürlich habe ich auch dieses Mal wieder die Gelegenheit genutzt, mich mit der Referentin zu unterhalten. Im Laufe unseres Gesprächs äußerte sie die Überzeugung, die skizzierte Grundhaltung des Konsumenten führe zu einer „Renaissance der europäischen Stadt“, sie würde wieder zum Identifikationskern und zur Heimat des Konsumenten.

Was bedeutet das alles für die Fleischer/Metzgerbranche:
Offensichtlich gibt es insbesondere auch in Zukunft lohnenswerte Ziele, die Sie als Fleischer/Metzgermeister ansteuern sollten. Hierbei bietet nahezu jede der erläuterten Kernthesen Ansatzpunkte, sich rechtzeitig trendgerecht und kundenorientiert zu profilieren.

Die anderen Referate vom 21. Handelsforum OWL sind einer separaten Würdigung vorbehalten. Ich danke für Ihr Interesse und grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

Beitrags-Link zum 20. Handelsforum OWL in Bielefeld – Teil eins

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