Posts Tagged ‘Kundengruppe’

Qualitätsführerschaft und Emotionale Intelligenz

Sonntag, April 23rd, 2017

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

schon immer haben Sie aus Überzeugung die Qualität Ihrer handwerklich hergestellten Erzeugnisse hoch gehalten. Und Sie wissen um die verkaufsfördernde Bedeutung regionaler Herkunft Ihrer (Grund)-Produkte.

Qualitätsführerschaft

Während Supermärkte und Discounter Ihres Ortes oder Stadtteils die Sortiments- und Preisführerschaft für sich beanspruchen, ist die Domäne oder strategische Zielsetzung der handwerklich strukturierten Fleischerei/Metzgerei die Qualitätsführerschaft. (mehr …)

Regionales! – Regionales über alles?

Dienstag, März 15th, 2011

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Regionale Produkte oder regionaltypische Produkte haben in handwerklich-kreativen Fleischereien/Metzgereien Deutschlands ihren Siegeszug angetreten.
In meinem ersten Sachbuch „Fleischerei im Fadenkreuz – Problemlösungen und Erfolgsmodelle“ hatte ich erstmals auf die Vorteilhaftigkeit einer entsprechenden Strategie bzw. Betriebsausrichtung begründend aufmerksam gemacht. Das war im Jahre 2004. Weitere, eine derartige Erfolgs-Strategie bestätigende Beiträge und Kommentare hier auf Fleischer/Metzger-Blog folgten im Laufe vieler Jahre. Die Kern-Zielgruppe war stets dieselbe: Der qualitätsbewusste, anspruchsvolle Lokal-Patriot.
Viele der Fleischerei-Betriebe, die sich im Laufe der Jahre mit einem (Groß)-Teil ihres Sortiments erfolgreich an den Wünschen und Erwartungen dieser Zielgruppe orientierten, haben ihr entsprechendes Angebot auch auf ihren Websites deutlich gemacht.
Wir stellen deshalb hier aufgrund des der Blog-Administration vorliegenden umfangreichen Fleischer-Feed-Backs in aller Bescheidenheit fest, einen nicht unwesentlichen Beitrag zu der entsprechenden Entwicklung geleistet zu haben. So weit, so gut. Nur:

Seit geraumer Zeit versuchen Supermärkte und Discounter, durch großzügige Auslegung oder Verwässerung des Regionalitäts-Begriffs (Vgl. Fleischer/Metzgerblog-Beitrag vom 20. Nov. 2009) eben diese Zielgruppe „Lokal-Patriot“ auch für sich einzunehmen.

So, wie derzeit schon viele Innenstädte durch einander ähnelnde Coffeeshops „überbesetzt“ sind (mit Konsequenzen für das künftige Qualitäts- und Preisniveau), so könnte der Markt für Regional-Produkte aus nachstehenden Gründen für Sie enger werden:

1) Die Anzahl Ihrer entsprechend aufgestellten „Konkurrenten auf Augenhöhe“, nämlich die Fleischereien/Metzgereien Ihrer Region mit ähnlicher Sortiments-Ausrichtung und Kunden-Focussierung könnte zunehmen.

2) Supermärkte und Discounter Ihrer Region konkurrieren mit Ihnen künftig verstärkt um eine Ihrer wichtigsten Kundengruppen.

Während in den achtziger und neunziger Jahren in vielen Fleischereien/Metzgereien noch die unzureichende Kunden-Orientierung eine entscheidende Wachstumsbremse war, könnte zukünftig die drohende Sortiments-Überbesetzung mit „regionalen Spezialitäten“ zu einem akuten Engpass auch Ihrer weiteren Entwicklung werden. Denn ein Überangebot zunehmend ähnlicher werdender (Regional)-Produkte verschiedener Anbieter Ihrer Region führt in der Wahrnehmung durch den Endverbraucher zu einer „Austauschbarkeit“ der Produkte. Bei Austauschbarkeit jedoch (eventuelle Standortvorteile eines Betriebes einmal außer Acht gelassen) entscheidet der Kunde seinen Einkauf über den Preis.

Da der Trend zu regionalen Spezialitäten derzeit ungebrochen zu sein scheint, gilt es also, sich auch oder insbesondere bei „regionalen Spezialitäten“ stärker abzugrenzen, um einem ruinösen Preiskampf zu entgehen. Wahrend in der reinen Produkt-Ebene hier zunächst einmal die „individuelle Würzung“ einer Fleischerei zur ersten Profilierung führt, sind auch folgende Argumente wertvolle Ansatzpunkte zur differenzierten Wahrnehmung durch den Endverbraucher.

a) Sie könnten Ihre Regional-Produkte als Fertig-Gerichte (Menü-to-go) offerieren, um die Wünsche der Convenience-Liebhaber unter ihren Lokal-Patrioten zu erfüllen.

b) Sie könnten nach ähnlicher Überlegung Ihre Regional-Produkte als „Produkte mit Naturgewürzen“ vorhalten, um den Erwartungen der Ernährungsbewussten unter ihren Lokalpatrioten zu entsprechen.

c) Ein Produkt, das gar alle drei Kundenwünsche zu erfüllen verspricht (Regionales Convenience-Produkt für Ernährungsbewusste) schafft Ihnen bei der entsprechenden (Teil)-Zielgruppe unter den Lokal-Patrioten einen Wettbewerbsvorteil.

Weitere Ansatzpunkte für eine zusätzliche Abgrenzung oder Profilierung sind:

Berücksichtigung geänderter Konsumgewohnheiten infolge der demographischen Entwicklung (Convenience-Trend und „gleitende“ Essenszeiten insbesondere der jüngeren Bevölkerung)

Lebensmittel-Skandale (Überregional wirksame Skandale bescheren Ihnen stets neue Kunden; es gilt, diese neuen Kunden nachhaltig an Ihr Unternehmen zu binden.)

Stark schwankende Qualitätsunterschiede im Einkaufs-Sektor (Sie kaufen nur dann, wenn die Qualität Ihren Ansprüchen und denen Ihrer Kundschaft entspricht).

Ihre Reagibilität auf behördliche Auflagen (nicht jeder Ihrer Konkurrenten kann neue Auflagen sogleich problemlos erfüllen; hierdurch könnte für Sie bei entsprechend kurzfristigem Reaktionsvermögen ein vorübergehender Wettbewerbsvorteil entstehen, der der Kundschaft bewusst zu machen wäre).

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

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