Posts Tagged ‘Konjunktur’

Verlustaversion und Evolutionsenergie

Sonntag, Februar 3rd, 2019

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

als mittelständischer Unternehmer, der gleichermaßen für die  Strategie und situative Entscheidungen in seinem Betrieb verantwortlich ist, beobachten Sie  (Ernährungs)-Trends und Mega-Trends. Und wahrscheinlich sind Sie auch sensibel gegenüber Trends, die in Form von Fleisch-Ersatzprodukten schon seit geraumer Zeit die Flexitarier unter Ihren Kunden beeindrucken.

Darüber hinaus spüren Sie die wachsende Bedeutung sozio-ökonomischer Verbraucher-Gruppen, die Ihr derzeitiges fleisch- und wurst-orientiertes Geschäftsmodell nicht teilen. Da Ihre Geschäftsphilosophie nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung sondern auf langfristige Bestandserhaltung und Bestandssicherung Ihres Betriebes ausgerichtet ist, sind Sie auch bereit, trendgerecht zu investieren:  Sie halten die Innovationsquote hoch und erarbeiten sich ein deutlich wahrnehmbares Alleinstellungsmerkmal (Unique selling proposition = USP), um eines Tages einen gesunden Betrieb an die nächste Generation übergeben zu können. Und hierbei kommt Ihnen Ihre fleischerhandwerklich Kreativität entgegen. Vornehmlich während der Produktion sprudeln Ihre Ideen, die wahrscheinlich auch Sie nach der Ihnen bekannten Versuch- und Irrtum-Methode (trial and error) in risikoarmen kleinen Schritten gern auf Praxistauglichkeit prüfen. Sie würden also gern – zumindest vorübergehend – Ihr Sortiment vergrößern wollen.

Hat die Größe Ihres Sortiments jedoch bereits das Optimum erreicht – und vielfach begrenzen räumliche Gegebenheiten  eine Sortimentsausweitung – könnte es angezeigt sein, den einen oder anderen schwach laufenden Artikel (oder eine wenig nachgefragte  Varietät) in Schumpeters Sinne der „schöpferischen Zerstörung“ durch eine neue Kreation zu ersetzen.

Hierbei ist folgendes zu berücksichtigen: Da Sie Ihren Betrieb bei Auswertung Ihrer monatlichen BWA gut kennen, können Sie zwar einschätzen, welchen (Umsatz)-Verlust Ihnen die Herausnahme eines Artikels bescheren könnte. Was Sie aber nicht wissen ist, ob oder inwieweit die neue (Ersatz)-Kreation diesen voraussichtlichen Umsatzrückgang auffängt der gar überkompensiert.

Und jetzt kommt etwas Entscheidendes:

Je größer die Gefahr ist, durch NICHT-Handeln Umsatz einzubüßen oder gar – extrem formuliert – den Fortbestand des Unternehmens zu gefährden, umso eher sind Sie bereit, Ihre Verlust-Aversion  zu überwinden und Neues zu wagen. Je größer die Gefahr eines drohenden Verlustes ist, umso mehr Evolutions-Energie wird bei Ihnen frei gesetzt.  Die Gefahr des Scheiterns ist ein Evolutionstreiber. Ein konjunktureller Einbruch verstärkt den Effekt und motiviert entsprechend auch Ihren Wettbewerb.

In konjunkturell guten Zeiten jedoch könnte so manch ein Wettbewerber seine Kreativität haben schleifen lassen, da ihn seine Erfolgskonstanz der letzten Jahre träge gemacht hat.

Gelingt es demgegenüber Ihnen, auch in konjunkturell guten Zeiten Ihre Innovationsquote kundenwunsch-gerecht hoch zu halten, könnten Sie einen entscheidenden Schritt machen, Ihr Profil zu schärfen, die Wertigkeit Ihres Angebots zu erhöhen und sich gegenüber der „Konkurrenz auf Augenhöhe“ noch deutlicher abzugrenzen. Das könnte Ihnen umso leichter gelingen, je besser die Zeiten sind und je träger entsprechend der Wettbewerb ist.

Es grüßt Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Saisonale Umsatzschwankungen, Regenerations-phase und Ausblick

Sonntag, Januar 14th, 2018

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

zwar genießen wir in Deutschland seit inzwischen mehreren Jahren eine weitesgehend stabile Konjunktur, die uns kontinuierlich Wachstum beschert hat. Und auch für 2018 ist laut aktuellen Umfrageergebnissen  der GfK weiterhin Wachstum zu erwarten. Die Beschäftigungslage ist in Deutschland auf hohem Niveau stabil, und aus Gründen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Konsumbereitschaft des Endverbrauchers nach wie vor hoch. (mehr …)