Posts Tagged ‘Intensiv-Verwender’

Pandemie und Pareto

Freitag, Mai 22nd, 2020

Kundenwunsch-Wandel in außergewöhnlichen Zeiten

Sehr geehrter Herr Fleischer-/Metzgermeister,

die Analyse Ihrer betriebswirtschaftlichen Auswertungen der jüngsten Monate könnte derzeit besonders wertvolle Erkenntnisse bringen. Denn externe, also von Ihnen nicht beeinflussbare Ereignisse wie die derzeitige Pandemie liefern Ihnen umso bedeutendere Aussagen, je deutlicher sich aus dem derzeit erkennbaren Kundenwunsch-Wandel eine Tendenz oder gar ein veritabler Trend ablesen lässt.

Derzeit werden bundesweit Masken-Automaten aufgestellt, woraus sich unschwer ableiten lässt: Die Krise wird uns wohl noch eine ganze Weile beschäftigen oder gar in Atem halten. Das alles sind genügend Beweggründe, sich als Fleischer-/Metzgermeister die Frage zu stellen und möglichst auch zu beantworten: Bin ich mit meinem Betrieb derzeit richtig aufgestellt?

Das stationäre Geschäft

Gemäß der hier auf Fleischer-/Metzgerblog wiederholt vorgestellten und Ihnen sicherlich bekannten Pareto-Gesetzmäßigkeit machen auch Sie mit Ihrem stationären Fleischer-Fachgeschäft ca zwei Drittel Ihres Umsatzes mit Ihren Stammkunden und Intensiv-Verwendern, die zusammen ein Drittel Ihrer Kundschaft umschließen.

Stammkunden und vornehmlich Intensiv-Verwender konzentrieren sich auf nur einige wenige Produkt-Gattungen. Entsprechend machen Sie mit einem Drittel Ihrer Produkte (nämlich mit Ihren Bestläufern) zwei Drittel Ihres Umsatzes.

Online-Handel

Bei Ihrem Online-Handel verschiebt sich das jeweilige Verhältnis leicht:
In Ihrem Webshop generieren Sie  achtzig Prozent Ihres Umsatzes mit zwanzig Prozent Ihrer Kunden, nämlich mit Ihren Stammkunden und Intensiv-Verwendern. Und Sie machen mit zwanzig Prozent Ihrer Produkte (nämlich mit Ihren Bestläufern) achtzig Prozent Ihres Umsatzes. (Der Grund könnte in der besseren Produkt-Überschaubarkeit und -Vergleichbarkeit auf kleinem Raum (Webshop) liegen).

Pandemisches Szenario

Corona bringt für Viele einen neuen Alltag. Kontaktsperren, Social Distancing verändern das Konsumverhalten. So steuern sicherlich auch Sie die Kundenfrequenz in Ihrem Ladengeschäft, indem Sie die jeweils maximal zulässige Kundenzahl in Ihrem Ladengeschäft deutlich wahrnehmbar begrenzen. Die Schlange vor Ihrem Ladengeschäft wird größer und steigert ganz nebenbei die Wertigkeit Ihrer Produkte.

Je deutlicher Ihr Angebot bzw. Ihr Angebots-Sortiment als DAS ORIGINAL wahrgenommen wird, und folglich der regionale Wettbewerb allenfalls ME-TOO-Produkte anbietet, umso eher könnten Sie jetzt Ihren Wettbewerbsvorsprung ausbauen. Denn: So manch ein Kunde könnte sich gerade jetzt  veranlasst fühlen, künftig BEI IHNEN pro Besuch (wesentlich) mehr einzukaufen als bisher, um die Zahl seiner Kontakte herunterzufahren. Entsprechend könnten auch  Ihre Dauerwaren mehr Zuspruch erfahren.

Ein bisheriger Gelegenheits-Kunde oder Selten-Verwender könnte zu einem Stammkunden werden. Hierdurch könnte sich die oben skizzierte Pareto-Gesetzmäßigkeit (67 Prozent zu 33 Prozent) in Richtung 85 Prozent zu 15 Prozent verschieben. D. h. Sie machen in pandemischen Zeiten 85% Ihres Umsatzes mit 15% Ihrer Kunden. ODER: Auf 15% Ihrer Produkte entfallen 85% Ihres Umsatzes.

Und das könnte Einfluss auf die Gestaltung Ihrer Produktion, auf die Entwicklung einzelner Wertschöpfungs-Stufen haben. Die Auswertung Ihrer monatlichen BWA ermöglicht Ihnen, Ihre Umsatztreiber und Gewinnbringer zu identifizieren. Sie könnten überrascht sein.

Bleiben Sie bitte gesund!

Es grüßt Sie freundlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)
Moderator vom genuss-affinen Regional-Portal Kulinarisches-OWL.de
Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Preisdruck bei austauschbarer Ware

Montag, Januar 13th, 2020

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

austauschbare, durch ein gleichwertiges Konkurrenzprodukt ersetzbare Ware wird primär „über den Preis“ gekauft. Der jeweils günstigere Preis setzt hier den entscheidenden Kauf-Impuls.

Im klassischen Möbelhandel, wo eine Vielzahl von (Einzel)-Händlern ihr Möbelsortiment von nur wenigen industriellen Herstellern bezieht, sind entsprechend viele der jeweils vorgehaltenen Möbel vergleichbar und somit austauschbar. Die Folge ist ein ständiger Kampf um den Kunden. Der puristische stationäre Möbelhandel lockt hierzu den Kunden über zeitlich limitierte Aktionen und Ratenzahlung in das Möbelhaus. Bei den Puristen unter den Möbel-Onlinehändlern ist der PREIS das entscheidende Kriterium, das den Impuls zum Kauf setzt, sofern Möbelanlieferung und Hilfe beim Möbelaufbau oder –Zusammenbau gewährleistet sind.

In jedem dieser beiden Geschäftsmodelle ist die Wertschöpfungskette ausgesprochen kurz, und die Marketing-Abteilung ist vor entsprechend große Herausforderungen gestellt.

Im Unterschied zu diesen beiden Geschäftsmodellen gelingt es dem skandinavischen Möbelhaus IKEA, nicht nur online und offline miteinander zu verknüpfen; – sondern gleichzeitig generieren die Schweden  eine ausgesprochen lange Wertschöpfungskette. Diese beginnt bei der Ideenfindung, geht sodann über eigenständiges Produkt-Design und (vornehmlich) eigene Herstellung bis zu Produkt-Präsentation inkl. Virtual Reality. Sie erreicht ihre Vollendung im Verkauf in eigenen Niederlassungen. Die laufende Kontrollmöglichkeit über JEDE EINZELNE der Wertschöpfungsstufen schafft das so wichtige Vertrauen und trägt zur Kunden-Loyalität bei.  Die logische Folge sind unverwechselbare Kreationen, die sich aufgrund ihrer Individualität der preislichen Vergleichbarkeit entziehen und in ihrer Gesamtheit dazu beitragen, die MARKE IKEA zu prägen.

Und natürlich sind auch Sie als Fleischer/Metzgermeister mit Ihrem Betrieb gut aufgestellt, wenn Sie einerseits ein Angebots-Sortiment haben, das dem Wünschespektrum Ihrer Stammkunden und Intensiv-Verwender weitestgehend entspricht. Und andererseits sind Sie gut aufgestellt, wenn dieses Sortiment und seine Präsentation Ihnen ein einprägsames Profil verschaffen, um sich gegenüber Supermärkten und Discountern sowie gegenüber Ihrer regionalen Konkurrenz auf Augenhöhe deutlich abzugrenzen.

Je länger Ihre Wertschöpfungskette ist, je mehr Einfluss Sie als Fleischer/Metzgermeister auf die einzelnen Wertschöpfungsstufen nehmen können und je transparenter Sie diese Stufen für den Kunden kommunizieren, umso mehr KAUF entscheidendes Vertrauen könnten Sie aufbauen

Je individueller, je eigenständiger hierbei einzelne Ihrer Stufen sind, umso mehr schützen Sie sich vor Nachahmern. Individuelle Produktgestaltung (zum Beispiel mit Hilfe einer Schinkenpresse), Produktstreckungen  sowie lokal- oder regional-typische Produktnamen tragen zur Abgrenzung bei.

In dem Zusammenhang könnte Sie ein Fleischer/Metzgerblog-Beitrag interessieren, der sich seit geraumer Zeit dem Thema Wertschöpfung ausführlich widmet. Klicken Sie hierzu bitte:

Die Wertschöpfungsstufen Ihres Fleischer-Fachgeschäfts und ihre Besonderheiten

Es grüßt Sie freundlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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P. S. Der Beitrag wird bis auf weiteres auch gelistet unter „Erfolgskonzepte für Fleischer-Fachgeschäfte