Posts Tagged ‘Hauptnutzen’

Das Original und seine Wahrnehmung

Donnerstag, November 29th, 2018

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

auch dieses Jahr wieder ziehen sie so manch einen Besucher in ihren Bann: die deutschen Weihnachtsmärkte. Und offensichtlich üben sie nicht nur auf Einheimische eine besondere Faszination aus, sondern verursachen wahre Touristenströme, die vielfach das jeweils benachbarte Ausland mit einschließen. Der deutsche Weihnachtsmarkt genießt auch im Ausland einen gewissen Kultstatus, gilt er doch vielfach als DAS ORIGINAL. Das Besondere daran: Offensichtlich lassen sich Struktur, Stimmung, Tradition und Atmosphäre nicht so ohne weiteres exportieren oder dort vor Ort „kreativ imitieren“. Zudem gibt es eine Fülle von Mythen und Legenden, die sich um so manch einen (traditionellen) deutschen Weihnachtsmarkt ranken und seine Wahrnehmung beeinflussen. Und: Je älter ein Weihnachtsmarkt ist, umso mehr regionaltypische Merkmale weist er in aller Regel auf; denn auch ein deutscher Weihnachtsmarkt erhält seine charakteristische Prägung durch seine  Region sowie die Vorlieben und Fähigkeiten ihrer Bewohner.

Und so, wie derzeit ein Weihnachtsmarkt auch in Ihrer Region seine individuelle Aussage macht, wird auch Ihre Fleischerei/Metzgerei vom Endverbraucher in einer ganz bestimmten Weise wahr genommen. Der Verbraucher hat hinsichtlich Ihres Fachbetriebes eine ganz bestimmte Vorstellung. Nicht nur der Stammkunde hat sich hier längst ein Urteil gebildet. Und je besser Ihr Betrieb und/oder einzelne handwerklich hergestellte Produkte Ihres Unternehmens als DAS ORIGINAL wahrgenommen werden, umso schwerer könnte  es die lokale oder regionale Konkurrenz auf Augenhöhe haben, Sie erfolgreich zu kopieren.

In jedem Fall haben Sie nämlich mit ihrem ORIGINAL einen mehr oder weniger großen zeitlichen Vorsprung, den Sie nutzen sollten, um für das betreffende Produkt mit geeigneten (Marketing)-Maßnahmen Ihre Kompetenz auf- bzw. auszubauen; – und zwar Kompetenz in der Ebene der Nutzenstiftung oder Problemlösung. Denn letztlich machen Sie mit jedem angebotenen Produkt ein „Versprechen“; und zwar das Versprechen, dem Kunden (bei Annahme Ihres Angebots) einen ganz konkreten Nutzen  zu stiften, z. B. die Erfüllung seiner kulinarischen Wünsche oder die Lösung eines (Ernährungs)-Problems. Der Kunde kauft nämlich ein (handwerkliches) Erzeugnis, weil er sich Nutzen aus dessen Verwendung erhofft. Je besser Sie mit Ihrem Angebot den Haupt- oder Kernnutzen des Kunden hierbei treffen, umso erfolgreicher könnten Sie sein. Haben Sie in der Wahrnehmung durch den Kunden erst die widerspruchsfreie Zuständigkeit in der Ebene der Nutzenstiftung oder (Ernährungs)-Problemlösung erlangt, generieren Sie die so wichtigen KAUF ENTSCHEIDENDEN EMOTIONEN.

Es grüßt Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Bücher für die Fleischer/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Nicht nur heute ist „Wahl“-Tag – oder: der Bürger und sein „Wahl-O-Mat“

Sonntag, Juni 7th, 2009

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
heute ist ein besonderer Tag; auch in Deutschland ist Wahltag, der Tag der Wahl zum Europa-Parlament. Medien und Parteien geben sich hierbei redlich Mühe, den Tag ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Im Netz steht ferner ein „Wahl-O-Mat“, der es jedem Besucher ermöglicht, seine eigene Position mit derjenigen einzelner Parteien zu vergleichen, indem er sein Urteil zu dortigen 38 Thesen abgibt und seine Antworten sodann auswerten lässt. Noch nie war es für den Bürger so einfach, seine eigenen Wünsche und Erwartungen mit dem jeweiligen „Angebot zur Wunscherfüllung“ durch die Parteien auf Übereinstimmung zu überprüfen.

Aber trotzdem: Auch dieses Jahr wird sich repräsentativen Umfragen zufolge die Wahlbeteiligung in bescheidenen Grenzen halten. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung – so die Prognosen – werden in Deutschland von ihrem Wahlrecht wohl auch dieses Jahr keinen Gebrauch machen.

Kurzum: Es fehlt dem Europa-Parlament die deutliche Vermittlung des HAUPT- oder KERN-Nutzens seiner so wichtigen Tätigkeit.

Im Unterschied zum Europa-Parlament ist in Ihrer Fleischerei/Metzgerei jedoch jeden Wochen-Tag für den Bürger oder Kunden „Wahl“-Tag. Haben Sie gar einen eigenen Webshop, hat der Kunde ein 24/7-Wahlrecht von 24 Stunden an 7 Tagen der Woche. Auch Sie müssen sich gegenüber der Konkurrenz abgrenzen und die Vorteilhaftigkeit eines Einkaufs bei Ihnen dem Kunden vermitteln.

Deshalb meine Frage:
Könnten Sie sich vorstellen, wie ein entsprechender „Wahl-O-Mat“ im Falle Ihrer Fleischerei/Metzgerei wohl gestaltet sein könnte? Könnten Sie sich vorstellen, mit welcher Erwartungshaltung die Kundschaft zum Einkaufen kommt? Könnten Sie sich vorstellen, inwieweit Ihr Angebot wohl den Wünschen Ihrer Kundschaft entspricht?

Oder
Welches ist der Haupt- oder Kern-Nutzen, den Sie der Kundschaft stiften bzw. stiften möchten?

Nachstehend eine Auswahl möglicher Stärken Ihres Unternehmens

In der Produkt-Ebene

Sortiments-Qualität
Sortiments-Umfang
Regionale Spezialitäten
Traditionelle Spezialitäten nach altem Hausrezept
Convenience-Artikel
Wechselndes Angebot

In der Ebene der Nutzen-Stiftung (inkl. Dienstleistung)

a) im Ladengeschäft

Fachmännische Beratung
Freundlichkeit
Übersichtlichkeit

b) bei der Verzehr-Situation Ihrer Erzeugnisse im Hause des Kunden

Zeitgewinn bei der Zubereitung
ernährungsbewusster Genuss
Stärkung des Regional-Bewusstseins

Frage:
Könnten Sie spontan sagen, was Ihrer Meinung nach Ihre größte Stärke, Ihre größte Nutzenstiftung ist?
Und dann beantworten Sie sich die entscheidende Frage:
Vermittle ich meine größte Stärke in angemessener und deutlicher Weise meiner Kundschaft?

Denn es gilt:
Ein Wähler wählt am Wahltag unter den Parteien „das kleinere Übel“. Ein Kunde jedoch wählt die „bestmögliche Erfüllung seiner KERN-Wünsche“. Und: In Ihrer Fleischerei ist täglich ein neuer „Wahl“-Tag.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)