Archive for the ‘Profilierung’ Category

Cocooning, Convenience und Lieferservice

Dienstag, März 17th, 2020

Geändertes Kundenverhalten erfordert fleischerhandwerkliche Reaktion

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

als kreativer und kommunikativer Leiter einer inhabergeführten Fachfleischerei wissen Sie die Vorteile des direkten Kunden-Kontakts via Bedientheke zu nutzen. Die allermeisten Ihrer Stammkunden und Intensiv-Verwender sind ihnen vielfach seit vielen Jahren bekannt, und Sie kennen oftmals deren persönliche kulinarischen Vorlieben.

Doch auch Sie wissen: Auch der Konservativste unter Ihren Kunden liebt gelegentlich Neues oder Überraschendes. Als kreativem Fleischer/Metzgermeister ist es Ihnen hierbei ein Leichtes, vornehmlich den Beginn einer neuer Jahreszeit zu nutzen, um neue Kundenwünsche zu wecken und zu versprechen, diese dann auch mit Ihren entsprechenden Produkten und/oder Dienstleistungen zu erfüllen.

Ihr Sortiment ist nach Umfang, Qualität und Qualitäts-Preisverhältnis gut aufgestellt. Die Theke ist übersichtlich gestaltet und sortiert. Auch dem NEU-Kunden fällt die Orientierung leicht. Und Sie werden allmonatlich die eine oder andere Phase zu nutzen wissen, um in Ruhe die Umsatzzahlen aus Ihrer jüngsten BWA auszuwerten und vergleichend Ihre monatliche Renner/Penner-Liste aufzustellen.

So weit, so gut.

Es gibt jedoch Phasen, in denen EXTERNE (also von Ihnen weder vorhersehbare noch beeinflussbare) Ereignisse neue Perspektiven eröffnen und zum Handeln anregen und/oder gar zum Reagieren zwingen.

Kommt ein solches Ereignis mit unvorstellbarer Wucht und Nachhaltigkeit, ist es zudem neu und war es darüber hinaus unvorhersehbar oder unwahrscheinlich, dann liefert es traumatische Simultan-Verzerrungen in Wirtschaft, Finanzwelt und Gesundheitswesen; es generiert zudem Fragen, auf die es zunächst kaum Antworten gibt. Ein solches Ereignis ist in der soziologischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fachliteratur als „Schwarzer Schwan“  bekannt. Vgl. hierzu das Buch mit dem Titel „Der Schwarze Schwan“ des Nassim Nicholas Taleb.

Immer dann, wenn es sich wie in der derzeitigen Pandemie um einen solchen negativen „Schwarzen Schwan“ handelt, dann gilt es laut Taleb, sich konservativ zu verhalten und Ruhe zu bewahren.

Normalerweise rücken Menschen in Krisenzeiten enger zusammen. Doch die derzeitige Pandemie postuliert eine andere Verhaltensweise:

Ziehen Sie die richtigen Schlüsse aus dem derzeitigen Verhalten Ihrer Kunden. Die Tendenz zum Cocooning wird zunehmen. Die Leute kapseln sich ab und/oder bleiben zu Hause. Entsprechend könnte die Kunden-Frequenz in Ihrem Ladengeschäft sinken.

Ferner: Convenience-Angebote (Fertig- und Halbfertiggerichte) werden dezidiert nachgefragt. Ihr Lieferservice genießt gesteigerte Wertschätzung.

Und: Aktualisieren Sie die Angebote auf Ihrer Website. Visualisieren Sie besondere Hygiene-Maßnahmen. Generieren Sie durch situationsgerechte Offerten und Service das so wichtige Vertrauen. Und: Bleiben Sie gesund!

Es grüßt Sie freundlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Moderator vom genuss-affinen Regional-Portal Kulinarisches-OWL.de
Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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Betriebliche Pufferzonen und der Mut zum Verzicht

Freitag, Februar 21st, 2020

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

als verantwortungsbewusster Inhaber Ihres Fleischer-Fachgeschäfts haben Sie den täglichen  Betriebsablauf unter Kontrolle. Eventuelle Unregelmäßigkeiten oder Abweichungen von der Norm bei Mensch oder Maschine werden von Ihrem geübten Auge kurzfristig wahrgenommen und veranlassen Sie zu intervenieren. Sie kennen die kulinarischen Vorlieben nicht nur Ihrer Stammkunden und Intensiv-Verwender. Sie erweitern gelegentlich nicht nur saison-bedingt Ihr Grundsortiment, um durch das Wecken neuer (Kunden)-Wünsche auch den auf Abwechslung bedachten Performer  unter Ihren Kunden/Innen an Ihren Betrieb zu binden. Und hier kommen Ihnen Ihre meisterliche Erfahrung und Ihre große fleischerhandwerkliche Kreativität zugute. Das Ihnen via Bedientheke täglich gelieferte Feed Back Ihrer Kunden/Innen bringt Ihnen ein Gespür dafür, in welche Richtung und in welchem Umfang Sie Ihr (Grund)-Sortiment anpassen sollten. Und hierbei gilt es, sorgfältig auszuwählen, innovativ zu sein. So werden Sie sich -frei nach Steve Jobs- „von hunderten von Ideen verabschieden“, die einer möglichen Umsetzung harrten.  Das erfordert natürlich Mut, nämlich Mut zum Verzicht.

In Ihrer täglichen Produktion verzichten Sie auf Prozess-Optimierung; –  statt dessen bauen Sie kleine zeitliche Puffer ein, um bei Störungen kumulativ-negative Folge-Effekte zu vermeiden. Eventuelle als sinnvoll oder gar notwendig erkannte Änderungen nehmen Sie in vorsichtigen, kleinen Schritten vor, die sich im Falle einer Fehleinschätzung kostengünstig korrigieren lassen. So haben Sie im Laufe vieler Jahre oder gar Jahrzehnte ein solides Wissen darüber erworben, was geht oder funktioniert und worauf sie besser verzichten sollten. Zudem wissen Sie längst: Fehlschläge sind  nicht nur informativer als Erfolge; sie wirken auch nachhaltig. Und: Wie stellen Sie sich Ihr künftiges Umfeld vor? Auf die Nutzung welcher Dienstleistung wird der Verbraucher verzichten? Wen oder Was wird es nicht mehr geben?

Eine solide Infrastruktur Ihrer Stadt oder Ihres Stadtteils hat Einfluss auf die Wahrnehmung durch den Endverbraucher und dessen Besuchs-Frequenz. Je mehr unterschiedliche,  mittelständisch geprägte Geschäftszweige mit gleicher oder ähnlicher Endziel-Gruppe die Umgebung prägen, umso stabiler ist ihr Umfeld.  Ein gelegentlicher, Branchen übergreifender (Unternehmer)-Erfahrungsaustausch könnte sinnvolle Marketing-Cooperationen generieren und zur Kundenbindung beitragen.

Es grüßt Sie freundlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Moderator vom genuss-affinen Regional-Portal Kulinarisches-OWL.de
Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer-/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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