Betriebliche Pufferzonen und der Mut zum Verzicht

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

als verantwortungsbewusster Inhaber Ihres Fleischer-Fachgeschäfts haben Sie den täglichen  Betriebsablauf unter Kontrolle. Eventuelle Unregelmäßigkeiten oder Abweichungen von der Norm bei Mensch oder Maschine werden von Ihrem geübten Auge kurzfristig wahrgenommen und veranlassen Sie zu intervenieren. Sie kennen die kulinarischen Vorlieben nicht nur Ihrer Stammkunden und Intensiv-Verwender. Sie erweitern gelegentlich nicht nur saison-bedingt Ihr Grundsortiment, um durch das Wecken neuer (Kunden)-Wünsche auch den auf Abwechslung bedachten Performer  unter Ihren Kunden/Innen an Ihren Betrieb zu binden. Und hier kommen Ihnen Ihre meisterliche Erfahrung und Ihre große fleischerhandwerkliche Kreativität zugute. Das Ihnen via Bedientheke täglich gelieferte Feed Back Ihrer Kunden/Innen bringt Ihnen ein Gespür dafür, in welche Richtung und in welchem Umfang Sie Ihr (Grund)-Sortiment anpassen sollten. Und hierbei gilt es, sorgfältig auszuwählen, innovativ zu sein. So werden Sie sich -frei nach Steve Jobs- „von hunderten von Ideen verabschieden“, die einer möglichen Umsetzung harrten.  Das erfordert natürlich Mut, nämlich Mut zum Verzicht.

In Ihrer täglichen Produktion verzichten Sie auf Prozess-Optimierung; –  statt dessen bauen Sie kleine zeitliche Puffer ein, um bei Störungen kumulativ-negative Folge-Effekte zu vermeiden. Eventuelle als sinnvoll oder gar notwendig erkannte Änderungen nehmen Sie in vorsichtigen, kleinen Schritten vor, die sich im Falle einer Fehleinschätzung kostengünstig korrigieren lassen. So haben Sie im Laufe vieler Jahre oder gar Jahrzehnte ein solides Wissen darüber erworben, was geht oder funktioniert und worauf sie besser verzichten sollten. Zudem wissen Sie längst: Fehlschläge sind  nicht nur informativer als Erfolge; sie wirken auch nachhaltig. Und: Wie stellen Sie sich Ihr künftiges Umfeld vor? Auf die Nutzung welcher Dienstleistung wird der Verbraucher verzichten? Wen oder Was wird es nicht mehr geben?

Eine solide Infrastruktur Ihrer Stadt oder Ihres Stadtteils hat Einfluss auf die Wahrnehmung durch den Endverbraucher und dessen Besuchs-Frequenz. Je mehr unterschiedliche,  mittelständisch geprägte Geschäftszweige mit gleicher oder ähnlicher Endziel-Gruppe die Umgebung prägen, umso stabiler ist ihr Umfeld.  Ein gelegentlicher, Branchen übergreifender (Unternehmer)-Erfahrungsaustausch könnte sinnvolle Marketing-Cooperationen generieren und zur Kundenbindung beitragen.

Es grüßt Sie freundlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Moderator vom genuss-affinen Regional-Portal Kulinarisches-OWL.de
Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer-/Metzgerbranche
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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