Der reduktionswillige Fleischesser

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

natürlich werden Sie in emotionaler Verbundenheit zum Fleischerhandwerk Ihre Kreativität und Standfhaftigkeit vorzugsweise im Fleisch- und Wurstsektor manifestieren. Hier kennen Sie sich aus, und während der handwerklichen Produktion sprudeln die Ideen. Je besser Sie Ihre Innovationsfreude an den Wünschen und Erwartungen Ihrer Kern-Zielgruppen festmachen, umso erfolgreicher könnten Sie sein; denn schließlich kennen Sie die kulinarischen Vorlieben Ihrer Stammkunden. Zudem gilt: Je besser Sie in der Lage sind, Möglichkeiten zu erkennen, bevor diese offensichtlich werden, umso mehr neue Wünsche könnten Sie beim Kunden wecken und so Ihrer Konkurrenz stets einen entscheidenden Schritt voraus sein. Denn erfolgreiche Betriebe verändern sich.

Im Unterschied zu den Discountern und Supermärkten, die nach Preis- bzw. Volumenführerschaft streben, überzeugen Sie als verantwortungsbewusster Fleischer/Metzgermeister durch das Streben nach Qualitäts- und Serviceführerschaft. Jedoch: Nicht nur Essenszeiten und Verzehrgewohnheiten ändern sich. Medienberichten zufolge ist der Fleischkonsum in Deutschland aufgrund demografischen Wandels und veränderter Ernährungsgewohnheiten seit einigen Jahren leicht rückläufig: „Ausgewogene Ernährung“ ist eine Philosophie, der nicht nur Flexitarier frönen. Reduktionswillige Fleischesser unterstützen diese Tendenz. Und Betriebe der System-Gastronomie verstärken mit ihrem entsprechenden Angebot diesen Trend. Grund genug also, sich mit dem Thema zu befassen.

Natürlich ist in vielen Fleischereien der Anteil der konservativen Genießer umso größer, je älter die Stammkundschaft ist. Überwiegt auch bei Ihnen die Zielgruppe 50+, weiß man Ihre Zuverlässigkeit zu schätzen und bringt Ihnen Vertrauen entgegen. Sie haben nicht nur Kompetenz im Fleischsektor; Ihr Wort hat generell auf dem Ernährungssektor Gewicht. Im Kundengespräch via Bedientheke wird es Ihnen möglich sein, erste Anzeichen heraus zu hören, in welchem Umfang Sie Ihr derzeitiges Angebot anpassen oder ergänzen sollten. Entsprechend ausgerichtete zeitlich begrenzte Tests nach der „Versuch-und-Irrtum-Methode“ könnten einen ersten Aufschluss geben.

Haben Sie gar eine Heiße Theke mit „Menü-to-go“-Angeboten, wird es Ihnen nicht schwer fallen, Ihre Gerichte je nach saisonaler Verfügbarkeit mit regionalem Gemüse und Obst anzubieten.  Denn ein individuelles Regionalitäts-Konzept, das neben der regionalen Fleischprovenienz auch Feldfrüchte der Region umschließt festigt Ihre Wahrnehmung als regionaler oder lokaler Anbieter, dessen Wertschöpfungskette der kurzen Wege nicht nur die Umwelt schont, sondern auch für größtmögliche Frische sorgt.   „Regionalität“ als DIE klassische Metzger-Domäne bietet eine solide Basis, um durch ergänzende Akzente im Sinne „Ausgewogene Ernährung“ neu interpretiert zu werden.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs „Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
Zurück zur Startseite

Tags: , , , , , , , , ,

Comments are closed.