Halbzeit 2017 – Kundenwünsche, Kommunikation und Internet-Affinität

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

natürlich haben Konjunktur und wetterbedingte Saison-Verschiebungen Einfluss auf die generelle Konsumlaune des Verbrauchers. Neben dem steten Wandel der Konsumgewohnheiten des Endverbrauchers (so werden z. B. Essenszeiten zunehmend mobil) ist es aber auch die markante Internet-Affinität primär der jüngeren Generation, die auch von IHRER FleischereI/Metzgerei eine entsprechende kommunikative Berücksichtigung erfordert.

So ist auch dieses Jahr wieder der 1. Juli ein gutes Datum, einmal inne zu halten und signifikante Kennzahlen Ihrer BWAs auszuwerten. Wenn Sie also beim Vergleich von Umsatz-Erlösen und Ergebnis der beiden ersten Halbjahre 2016 und 2017 nach den Ursachen gegebenenfalls bedeutsamer Veränderungen forschen, sollten neben Ihrem Angebots- und Dienstleistungsprogramm auch die Art und der Umfang Ihrer stationären Präsenz und Ihres Internet-Auftritts Berücksichtigung finden.

a) Kundenwünsche und Kommunikation – Das stationäre Ladengeschäft

Externe Ereignisse

Die vorwiegend konsumgestützte Konjunktur läuft in Deutschland auch im ersten Halbjahr 2017 rund. Die Grenzneigung zum Konsum wird auch beim Endverbraucher durch die Niedrigzinspolitik der EZB hoch gehalten. Neben den alljährlich wiederkehrenden Festen wie Ostern und Pfingsten sind es dieses Jahr zusätzliche externe Ereignisse wie die U21 Europameisterschaft im Fußball und der Confed Cup, die Ihnen die Möglichkeit gegeben haben, durch spezifische Kreationen und namentlich entsprechend zugeschnittene (Grill)-Produkte Kauf entscheidende Emotionen zu erzielen. Ein saison- oder ereignisgerecht dekoriertes Ladengeschäft signalisiert hierbei Ihre Bereitschaft, dem Wünschespektrum des Kunden zu entsprechen. Eine willkommene Gelegenheitt also, Ihre fleischerhandwerkliche Kreativität zu nutzen und Ihre Innovationsquote hoch zu halten.

Der qualitäts- und preisbewusste, anspruchsvolle Verbraucher von heute

Bekanntlich versuchen Discounter und Supermärkte seit geraumer Zeit, sich nicht nur der metzgertypischen „Frische“-Domaine sondern auch der Regio-Provenienz mit Aussagen „Frische aus Ihrer Region“ zu bemächtigen. Hierbei profitieren diese Geschäftsmodelle von der dehnbaren Auslegung des Regio-Begriffs.

In dem Zusammenhang entsteht sodann zunächst die Frage:

Was haben Sie getan, um im letzten halben Jahr 2017 Ihren Betrieb durch die sechs großen A

Angenehm Auffallend Anders Als Alle Anderen

nicht nur gegenüber den beiden erwähnten Geschäftsmodellen sondern auch gegenüber Ihrer regionalen oder lokalen „Konkurrenz auf Augenhöhe“ in Print und Digital abzugrenzen? Hierzu: Inwieweit haben Sie die Qualtiätsführerschaft Ihrer Fleischerei/Metzgerei (gegenüber der Volumenführerschaft der Supermärkte und der Preisführerschaft der Discounter) kommuniziert? Haben Sie neben laufender Website-Aktualisierung, Newsletter-Versand und Nutzung Sozialer Medien hierzu auch branchen-spezifische Regional-Portale mit Informationen bedient? Ferner: Haben Sie die Region Ihrer Einkäufe so eng wie möglich abgegrenzt und sich dadurch als die Umwelt schonender Regional- oder gar Lokal-Patriot geoutet, mit dem sich ein beachtlicher Teil Ihrer Kundschaft identifizieren kann?

Sodann: Wie hoch ist im ersten Halbjahr 2017 der prozentuale Anteil derjenigen Ihrer Produkte am Gesamtumsatz, die Sie in den letzten zwei oder drei Jahren neu kreiert oder gestreckt haben? UND: wie verhält sich dieser Umsatzanteil im Vergleich zu dem entsprechenden Umsatzanteil neu kreierter oder gedehnter Produkte im ersten Halbjahr 2016? Sollten hier deutliche Schrumpfungen erkennbar sein, könnte Ihre Innovationsquote zu niedrig sein.

Ferner: Inwieweit oder in welchem Umfang haben Sie sich durch lokaltypische Namensgebung einzelner Ihrer Regional-Produkte auch gegenüber Ihrer regionalen Konkurrenz auf Augenhöhe abgegrenzt? Inwieweit haben Sie dem Convenenice-Trend  Rechnung getragen? In welchem Umfang bestimmen Snacks, die mobile Esskultur Ihr Angebots-Sortiment? Waren Sie hier jeweils aktiver als im ersten Halbjahr 2016?

b) Virtuelle Kommunikation und Internet-Affinität – Die smartphone-adaptive Website

Die traditionelle Desktop-Website

Der typische anspruchsvolle, qualitäts- und preisbewusste Verbraucher von heute, nämlich der typische Kunde IHRER Fleischerei/Metzgei beginnt heute seine Customer Journey im Internet. Und Medienberichten zufolge wächst auch im Lebensmittelhandel die Zahl derjenigen Kunden, die als Smartshopper oder selektive Online-Shopper  gern online und offline miteinander kombinieren.

„Beratung im Ladengeschäft und später online bestellen und anliefern lassen“ sind dabei genauso Teil des Kunden-Wünschespektrums wie „online bestellen und im Ladengeschäft abholen“.  Insbesondere auf die letzte Möglichkeit sollte plakativ im Ladengeschäft hingewiesen werden.

Das heißt: Verkäufer und Kunde begegnen sich immer weniger physisch. Vielmehr erwartet der Kunde eine laufend aktualisierte Internet-Präsenz und einen separaten Webshop mit übersichtlicher, nach Warengruppen getrennter Produkt-Visualisierung und -Verfügbarkeitsanzeige.

Die smartphone-adaptive Website

Die Internet-Recherche ist mobil. Die Nutzung digitaler Medien und Geräte nimmt ständig zu. Medienberichten zufolge hat Deutschland mehr Smartphones als Einwohner. Sie sollten deshalb dem Smartphone- und Tablet-User den Besuch Ihrer Website zu angenehm wie möglich machen. Die Lösung bietet hier die Einrichtung einer Website mit Responsive Design, welches den Zugriff von einem Mobilgerät aus „erkennt“ und Text und Bilder ohne Quer-Zoomen problemlos lesbar und navigierbar macht. Hinzu kommt: Diese mobile Konfiguration ist umso wichtiger, als Google mit seiner bereits 2015 erfolgten Ankündigung jetzt offenbar ernst macht und bei der mobilen Websuche smartphone-adaptive Websites gegenüber herkömmlichen Desktop-Websites im Ranking deutlich bevorzugt.

Checken Sie deshalb bitte einmal vergleichend die Zugriffszahlen auf Ihre Website und/oder Ihren Webshop aus der ersten Hälfte der Jahre 2016 und 2017.

Die Liste der Fleischerei/Metzgerei-Betriebe ist inzwischen lang, deren Shop-Umsätze die Umsätze im stationären Ladengeschäft zum Teil um ein Vielfaches übersteigen.

Ich wünsche Ihnen viele umsetzbare neue Erkenntnisse aus Ihrer Analyse und einen guten Start in das zweite Halbjahr.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs „Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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