Silvester 2016 – ein Jahresrückblick

Der Fleischer/Metzgerblog-Moderator zieht Bilanz

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

bekanntlich gehört die Fleischer/Metzgerbranche nicht zu den Konjunktur-Sensibelchen. So zeigt sich auch 2016 die Branche in ihrer Gesamtheit als ausgesprochen stabil. Wie das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.)  in seinem jüngsten Konjunkturbarometer vom 21. 12. 2016 hierzu schreibt, „dürfte die deutsche Wirtschaft […] im vierten Quartal um 0,4 Prozent wachsen“. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Aussagen des DIW Berlin zur Entwicklung des privaten Konsums: „Der private Konsum dürfte die Konjunktur weiter schieben, weil die Einkommen der privaten Haushalte weiter spürbar steigen.“

Zudem kennzeichnete eine auch in 2016 moderate Inflation die konjunkturellen Rahmenbedingungen. Die IFFA 2016 beflügelte die Branchenkonjunktur und setzte Impulse.

Der BVDF  (Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e. V. ) hat am 12. Dezember 16 seinen aktuellen Geschäftsbericht vorgelegt, „der die wesentlichen Themen und Tendenzen der Fleischwarenindustrie zusammenfasst“: „Der private Verbrauch“, so der BVDF, “zeigte sich robust. Zudem sind die vergleichsweise niedrigen Preise in Deutschland auch Ausdruck des hohen Wettbewerbsdrucks des Marktes, der in besonderem Maße unter dem Einfluss der Discounter steht.“

Und auch der BVDF empfiehlt, Nachfrageänderungen innovativ mit neuen Produkten zu begegnen und unterschiedliche Trends zu berücksichtigen: „Neben den traditionellen Sortimenten haben regionale Spezialitäten, Snack- und Convenience-Artikel, Halal-, Bio- und fleischlose Erzeugnisse {…] an Bedeutung zugenommen.“

Meine persönlichen Gespräche mit kommunikativen Fleischermeistern bestätigen: Auch in 2016 war es für die Fleischer/Metzgerbranche schwierig, Preissteigerungen beim Wareneinkauf auf den Endverbraucher zu überwälzen.

Der Verdrängungswettbewerb ist ungebrochen. Auch das Jahr 2016 ist gekennzeichnet durch Betriebsschließungen an Fleischerfachgeschäften, die voraussichtlich die Zahl der Neugründungen wesentlich übersteigen. Eine entsprechend vergleichende Gegenüberstellung des Jahres 2016 hierzu wird erwartet unter handelsdaten.de in der Sektion „Das Fleischerhandwerk in Deutschland“.

Hinzu kommt: Attraktive Shopping- und Erlebniswelten (= moderne Einkaufszentren) schöpfen über Foodcourts und Supermärkte mit ihren Fleischtheken solchen FleischerFachgeschäften Kaufkraft ab, die über „Menü to go“ und „Imbiss to go“ modernen Verzehrgewohnheiten entsprechen.  Die Essenszeiten sind zunehmend flexibel. Und zunehmend mobil ist die Internet-Recherche. Eine Auswahl an Betrieben, die sich vornehmlich in der benachbarten Gastronomie-Branche diesbezüglich über eine smartphone-adaptive Website bereits kundenwunschgerecht eingerichtet haben, finden Sie unter „OWL – Gastronomiebetriebe mit mobiler Website – Öffnungszeiten“. Fleischereien, die neben einem Verkauf aus ihrem stationären Ladengeschäft heraus auch über einen Webshop verfügen, berichten auch dieses Jahr wieder von einem Zuwachs im eCommerce, der die Zuwachsraten aus dem stationären Verkauf über die Ladentheke prozentual z. T. mächtig übersteigt.

Gut aufgestellt sind zudem solche Fleischereien/Metzgereien, die einen Lieferservice anbieten und diesen logistisch im Griff haben.

Infolge der demographischen Entwicklung Deutschlands steigt die Zahl der Ein- und Zweipersonen-Haushalte. Zudem ist der Trend zu Convenience-Produkten ungebrochen. Feinkost und Delikatessen in „portionierten Größen“ sind nachgefragt. Herkunfts-Sicherheit und Vertrauen sind nach wie vor wesentliche Elemente der Kundenbindung. Auch in der Lieferantenebene der Fleischbranche entspricht man dem gestiegenen Qualitäts- und Sicherheitsanspruch des Endverbrauchers.  So hat man sich bei der Wallufer VAN HEES GmbH jüngst nicht nur aus logistischen Gründen dazu entschlossen, „alle Gewürze zentral in Wuppertal zu vermahlen“, um damit der Branche Qualitätsartikel zu angemessenen Preisen bei fachgerechtem Service anbieten zu können.

Das Fleischer/Metzgerhandwerk ist eins der ältesten Gewerke der Welt. Mut zu Veränderungen vorangegangener Generationen hat dazu beigetragen, die Branche zu dem zu machen, was sie heute ist. Die Branche als Ganzes gilt als robust. Denn die Fleischerbranche dient nicht nur dem Grundbedürfnis Ernährung; sondern sie stellt sich auch über die einzelnen Betriebe den jeweils aktuellen Marktherausforderungen mit fleischerhandwerklicher Kreativität und modernem Marketing. Der nachstehend verlinkte Beitrag Die Fleischer/Metzger-Branche: Die Langlebigkeit als Vertrauensvorschuss auf die Zukunft“  unterstützt diese Thesen.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs „Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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