Die Erweiterung des Geschäftsmodells

Ein Blick in eine Nachbarbranche

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

natürlich machen auch Sie mit Ihrer inhabergeführten, handwerklich strukturierten Fleischerei eine ganz bestimmte Aussage.

Entsprechend werden Sie vom Kunden wahr genommen. Ihre Metzgerei hat in seinen Augen ein ganz bestimmtes Image, das sich im Laufe der Jahre verfestigt hat. Und solange sich Ihre Kreativität auf Bereiche beschränkt, die Ihr aktuelles Geschäftsmodell (Fleischerei/Metzgerei, Partyservice, Heiße Theke) umschließt, werden die an den Wünschen Ihrer Kernzielgruppen orientierten Neuerungen im Produkt- oder Service-Sektor wahrscheinlich auch angenommen. Macht Ihre Kreativität jedoch einen Quantensprung, indem Sie Ihr Geschäftsmodell erweitern, könnte es selbst Ihrer Stammkundschaft zunächst schwer fallen, Ihnen zu folgen.

Ein Blick in eine Ihrer Nachbarbranchen macht das deutlich.

Nehmen wir einmal an, Sie sind mit einem Café in einer Haupt-Einkaufsstraße seit vielen Jahren der Platzhirsch. Und der Betrieb ist ohne Frage als Café inzwischen längst eine MARKE. Da könnte es Ihnen nahe liegend erscheinen, die Räumlichkeiten auch verstärkt in den Abendstunden zu nutzen und sich (abends) als Restaurant zu profilieren. Der Standort ist gut, die Räume würden länger produktiv genutzt und Sie erwarten – wahrscheinlich auch zu Recht- zunächst einmal einen positiven Image-Transfer vom Café auf das Restaurant.

Ich möchte Ihre Euphorie nur ungern bremsen – aber Sie würden einen langen Atem benötigen. Denn mit Ihrer Entscheidung der Geschäftsmodell-Erweiterung ändert sich auch die Wettbewerbs-Situation.

Die Folge: Die Mittagsgäste und die Café/Konditorei-Kundschaft könnten Ihrem Café auch weiterhin die Treue halten, werden sich aber schwer damit tun, die Location kurzfristig auch abends anzusteuern. Man wird sich nämlich an die neue Tatsache zunächst einmal erst gewöhnen müssen. Zudem hat wahrscheinlich Jeder, der Ihr Café wegen seiner Konditorköstlichkeiten ansteuerte, schon seit längerem seine Lieblings-Abendlokale (-Restaurants) und sieht deshalb vorerst keinen Grund, sich umzuorientieren. Ferner: Kurzfristig NEUE Kunden für den abendlichen Besuch Ihres Restaurants zu begeistern, könnte sich als schwierig herausstellen, da hier seit längerem andere, z. T. alteingesessene Restaurants auf Akzeptanz stoßen.

Ihre Entscheidung müsste also gut durchdacht sein. Denn im Falle einer Schließung des Restaurants ist ein negativer Image-Rücktransfer auf die MARKE Café wahrscheinlich.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs „Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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