Halbzeit 2016 – Kernkompetenzen, Markenbildung, selektive Online-Shopper und Konjunktur

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

als wir im Jahre 2009 hier auf Fleischer/Metzgerblog erstmals die „Halbzeit-Serie“ auflegten, hat die „Halbzeit-Thematik“ zwischenzeitlich alljährlich einen festen Platz unter den Beiträgen errungen. Der anhaltende Verdrängungswettwerb in der Lebensmittelbranche, die Herausforderungen der Digitalisierung, Innovationsdruck und laufender Wandel der Kundenansprüche verlangen nach Antworten.

So könnten Sie auch dieses Jahr wieder anlässlich der beginnenden Sommerferien und dem damit verbundenen signifikanten Wandel der Kundenstruktur eine Cäsur setzen. Und beim Vergleich von Umsatzerlösen und Ergebnis der beiden ersten Halbjahre 2015 und 2016 nach den Ursachen für möglicherweise signifikante Veränderungen suchen.

Konjunktur

Deutschland hat zur Zeit eine überwiegend vom Konsum getragene Konjunktur. Die anhaltende Niedrigzinsphase evoziert eine hohe Grenzneigung zum Konsum. Der typische „qualitäts- und preisbewusste, anspruchsvolle Verbraucher von heute“, nämlich DER typische Kunde Ihrer Fleischerei/Metzgerei „betritt“ Ihr Ladengeschäft oder Ihren Onlineshop mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung.

Website

Und natürlich ist er beim Besuch in Ihrer Fleischerei/Metzgerei bereits bestens über Ihr aktuelles Angebot und auch das Ihres Wettbewerbs informiert, da er sich bereits am häuslichen PC oder mobil von unterwegs aus per Smartphone sachkundig gemacht hat.

Der selektive Onlineshopper, Frische-Automat und Aktualität

Denn der Kunde von heute ist zunehmend MOBIL. Eine laufend aktualisierte Website mit den richtigen, zeitgemäßen Keywords, eine Moderne Website mit Responsive Design erleichtern dem Mobile User die Kontaktaufnahme und die für einen Besuch oder eine Bestellung so wichtige VERWEILDAUER. Der selektive Online-Shopper, der während seiner Einkaufsreise – kanal-übergreifend – zwischen stationär und online pendelt, wird sicherlich auch in Ihrem Geschäft -bei richtiger Aufstellung- eine zunehmende Bedeutung erlangt haben. So könnte auch bei Ihnen im ersten Halbjahr 2016 die Zahl derjenigen Kunden zugenommen haben, die sich zunächst stationär im Ladengeschäft nach dem Motto „mit allen Sinnen genießen“ haben beraten lassen, um sodann später online zu kaufen und sich die Produkte liefern zu lassen.

Das heißt gleichzeitig: Je mehr bei Ihnen online eingekauft wird, umso wichtiger wird der Lieferservice.

Und natürlich schenken Sie auch Ihrem Frische-Automaten vor Ihrem Ladengeschäft Aufmerksamkeit und achten auf gute Bestückung. Ein MOBILER USER wird es Ihnen danken, wenn er sich außerhalb Ihrer Geschäftszeiten über den Grad der Bestückung, die Warenverfügbarkeit  via Ihre WebCam VOR seinem eventuellen  Besuch informieren kann.

 

Stationäres Geschäft und Markenbildung

Natürlich machen Sie mit Ihrem Ladengeschäft, mit Ihrem Produkt-Angebot und Ihrer Dienstleistung eine ganz bestimmte Aussage. Der Kunde hat ein ganz bestimmtes (Vor)-Urteil zu ihrem Geschäft. Je konstanter Sie in Ihren Leistungen sind, je mehr Sie sich einer MARKE nähern, die eine ganz bestimmte Leistung zu erbringen verspricht, umso mehr Kauf entscheidende Emotionen setzen Sie frei.

Je besser Sie Ihre KERN-Kompetenz (z.B. Qualitäts-Konstanz, Regional-Einkauf, moderne Bezahlsysteme, Vertrauen) in Print und Digital vermitteln, umso größer wird Ihr Alleinstellungsmerkmal mit den signifikanten Folgen für Wahrnehmung und Bevorzugung Ihres Geschäftes.

Je mehr Ihrer (Stamm)-Kunden Ihre handwerklichen Qualitätsprodukte nicht nur für sich selber sondern auch gelegentlich als GESCHENK für andere einkaufen, umso weiter sind Sie auf dem Weg zur Markenbildung fortgeschritten.

 

Die Verknüpfung Ihrer Qualitätsprodukte mit Ideen

Besuche von Fachmessen, wie im ersten Halbjahr 2016 ein Besuch der Frankfurter IFFA gehören für Sie sicherlich zum Pflichtprogramm. Und Maßnahmen zur Optimierung von Produktqualität und Herstellungskosten gehören auch dieses Jahr wieder zu Ihrer Agenda. Denn: Auch der konservativste unter Ihren Kunden ist gelegentlich aufgeschlossen für neue Empfehlungen und besondere Anregungen, wie er Ihre handwerklichen Erzeugnisse genießen könnte. Und vielleicht haben Sie bereits dieses Halbjahr Zusatz-Umsatz generiert, indem Sie Verwendungs-Situationen oder Verzehranlässe Ihrer Produkte visualisiert haben oder Ihre Erzeugnisse einfach mit neuen Rezept-Ideen für den Kunden verknüpft haben.

 

Wider den Mainstream

Haben Sie schon mal gegen vermeintlich feststehende Regeln der Branche verstoßen? Kennen Sie den Wahlspruch „Lerne die Regeln – UND BRICH SIE!“?

Haben Sie schon mal Ihre Öffnungszeiten verlängert – und zwar nicht in die Abendstunden, wie das die Supermärkte und Discounter betreiben – sondern vorgezogen in die frühen Morgenstunden?

Haben Sie Erfahrungen mit einer „Happy Hour“ oder einem „Happy Monday“ und einem zeitlich begrenzten und deutlich wahrnehmbaren Preisnachlass auf einen oder mehrere Ihrer (saisonalen) Renner?

Mit welchem Resultat?

 

Umsatz-Generatoren

Saison-Produkte wie z. B. Spargel, die sich hervorragend mit Schinken und Wurstwaren Ihres Betriebes kombinieren lassen, spektakuläre Ereignisse, die OHNE Ihr Zutun Kauf entcheidende Emotionen hervorrufen, sind ein willkommener Umsatztreiber. So sollen während besonderer Fußball-Ereignisse in den Halbzeitpausen vermehrt Sonderbestellungen in Fleischereien/Metzgereien eingegangen sein. – Und hier schließt sich der Kreis zum selektiven Onlineshopper, der via Smartphone hier aktiv geworden ist.

Innovationsquote

Und als regelmäßiger Leser der Fleischer/Metzgerblog-Beiträge werden Sie sicherlich auch dieses Mal wieder jahresübergreifend vergleichend überprüfen, wieviel Prozent Ihres diesjährigen Halbjahresumsatzes Sie mit Produkten erzielt haben, die Sie in den letzten zwei oder drei Jahren kreiert haben. Denn Ihre Innovationsquote ist und bleibt eine bedeutende Basis und ein wesentlicher Gradmesser Ihres Erfolges.

Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Analyse, konkrete Rückschlüsse, die richtigen unternehmerischen Investitions-Entscheidungen, Gesundheit und das nötige Quäntchen Glück für das zweite Halbjahr 2016.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel”

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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