Kontextabhängigkeit –

Die Wahrnehmungsproblematik bedeutsamer, jedoch branchenfremder Trends

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

Ihre sprichwörtlich große fleischerhandwerkliche Kreativität bekommt wahrscheinlich die besten Impulse während der Produktion. Plötzlich erkennen Sie mitten in der Wurstherstellung, welche zusätzliche Varietät nicht nur möglich sondern auch sinnvoll wäre. Und sicherlich bemerken Sie auch in ihrem konkurrenzpolitischen Umfeld Ihrer Region recht schnell, welcher Konkurrent auf Augenhöhe, welcher Supermarkt oder Discounter durch saison-typische Aktivitäten derzeit deutlich wahr genommen wird: Die Mund-zu-Mund-Propaganda gibt Ihnen die ersten entsprechenden Hinweise, ein Blick auf die aktualisierte Website des Wettbewerbers schafft Gewissheit. Und Sie entscheiden wahrscheinlich „nach Bauchgefühl“ recht schnell, ob und falls ja, in welcher Form Sie reagieren sollten. Man kennt eben „seinen“ Wettbewerb. Und so sind Sie wahrscheinlich auch in der Lage, rechtzeitig zu beurteilen, wer vornehmlich aus der Gruppe Ihrer „Wettbewerber auf Augenhöhe“ Tendenzen oder Trends wie z. B.  „Snacking“ oder „Out-of-home-Verzehr“ bereits adäquat bedient. (Vgl. Fleischer/Metzgerblog-Beitrag „Tendenzen, Trends und Wachstum“).

Erfahrungsgemäß jedoch lassen sich auch Entwicklungen in anderen Branchen, so man sie denn erkennt, vielfach auf den eigenen Betrieb übertragen. Das Problematische dabei ist: Man müsste hierzu Tendenzen und Trends in einem anderen Kontext, in anderen Umgebungsbedingungen wahrnehmen, wo sie erfahrungsgemäß 1) schwieriger zu erkennen und 2) zeitaufwänder zu ermitteln sind.

Doch, je mehr sich Tendenzen in voneinander unabhängigen Branchen ähneln, umso eher könnte sich hieraus Branchen übergreifend ein Trend oder gar ein Megatrend entwickeln.

 

Nachstehende Entwicklungen bedienen ein höchst komplexes Wünschespektrum des Verbrauchers

 

Einkaufscenter in Großstädten

„Mitnahmemärkte“ in ansonsten beratungsintensiven Möbelcentern

Designer-Outlets in unmittelbarer Nähe von Autobahn-Abfahrten

Autonomes Fahren

… sie alle haben jedoch eins gemeinsam: Sie dienen letztlich alle der Bequemlichkeit:

 

sei es der Komfort, in Fußläufigkeit auf engstem Raum 100 Läden (oder mehr) erreichen zu können ((Großstadt)-Einkaufscenter)

sei es, im SB selber Möbel schnell (und preisgünstig) aussuchen zu können (Mitnahmemärkte)

sei es, von einer Großauswahl an Designer-Garderobe zu profitieren (verkehrsgünstig gelegenes Designer-Outlet)

oder sei es, in absehbarer Zeit das Autofahren dem Auto zu überlassen (Autonomes Fahren).

 

Nun hat bekanntlich jeder Trend auch einen Gegentrend (Vgl. hierzu: „Die Verwässerung des Regionalitätsbegriffs“). Je besser oder eher es Ihnen jedoch gelingt, auch außerhalb der Fleischer/Metzger-Branche bedeutsame Entwicklungen wahr zu nehmen und auf Ihre Branche bzw. Ihren Betrieb zu übertragen, umso eher könnten Sie vornehmlich Ihrem  regionalen „Wettbewerb auf Augenhöhe“ einen entscheidenden Schritt voraus sein; und rechtzeitig die so wichtige „widerspruchsfreie Zuständigkeit“ erlangen.

Ich grüße Sie herzlich
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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