Silvester 2014 – ein Jahresrückblick

Der Fleischer/Metzgerblog-Moderator zieht Bilanz

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

zwar kühlte sich die Weltwirtschaft in 2014 ein wenig ab, und so manch ein Unternehmen in Deutschland bekam die Auswirkungen internationaler Krisen zu spüren. Dadurch ließen sich die Deutschen die Kauflaune aber offenbar nicht verderben. Die Konsumneigung des Endverbrauchers war und ist relativ hoch; und die Niedrigzinspolitik der EZB unterminiert die Bereitschaft zum Sparen.  Zudem profitiert das verfügbare Einkommen der Privat-Haushalte u. a. von dem historischen Tiefstand der Benzinpreise. Auf den ersten Blick also offensichtlich gute Voraussetzungen für Wachstum auch der Fleischerei/Metzgerei-Betriebe.  Jedoch: In der Lebensmittelbranche tobt weiterhin en erbitterter Verdrängungswettbewerb. Discounter und Supermärkte ringen verbissen mit zielgruppen-orientierten Strategien um Marktanteile. Klassische Metzgerei-Domänen wie „Metzger-Frische“ oder „Regional-Produkt“ werden mit z. T. recht großzügiger Begriffs-Auslegung besetzt. (Vgl. hierzu den Fleischer/Metzgerblog-Beitrag „Die Verwässerung des Regionalitäts-Begriffs„)

Ferner: Supermärkte und Discounter können auch in 2014 aufgrund ihres Geschäftsmodells mit Sortimentsführerschaft und/oder Preisführerschaft gegenüber dem handwerklich strukturierten Mittelstand punkten. Dem Fleischer-Fachgeschäft (FFG) verbleibt jedoch die Möglichkeit, sich über Qualität zu profilieren. Diese gilt es, mit fleischerhandwerklicher Kreativität und unverwechselbarer Würzung, regionaler oder gar LOKALER (Produkt)-Herkunft und Verarbeitungs-Transparenz sowie individueller Beratung (Dienstleistungs-Aspekt!) begründend anzustreben und/oder zu verteidigen. Die demographische Entwicklung spielt hier auch in 2014 dem FFG in die Hände; denn ältere Leute gewichten Herkunfts-Sicherheit und Vertrauen erfahrungsgemäß stärker als jüngere. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung hält auch die Tendenz zu Ein- und Zwei-Personen-Haushalten an. Fleischer-Fachgeschäfte, die hier ihre Angebote entsprechend portionieren, sind gut aufgestellt. Metzgerei-Betriebe an frequentierten Standorten, die den Convenience-Trend (Menü to go, Angebote zum Sofort-Verzehr) beachten, melden Erfolge beim Mittagstisch.

Jedoch: Die Zahl solcher Supermärkte wächst auch in 2014, die mit „Lieferservice“ ihre Wahrnehmung nicht nur beim zeitlich gestressten und/oder gesundheitlich eingeschränkten Endverbraucher steigern. Vielfach erleichtern Webshops mit online zur Verfügung gestellten „Warenverfügbarkeits-Abfragen“ dem Endverbraucher die Entscheidung, gegebenenfalls online zu ordern und anliefern zu lassen oder die online bestellte Ware persönlich vor Ort abzuholen. Die räumliche Niederlassungsdichte der Supermärkte und Discounter (= kurze Wege),  das größere Warensortiment und die damit oft verbundene Größe bzw. preisliche Höhe der durchschnittlichen Einkaufsvolumina des Kunden ermöglicht ihnen hierbei, vielfach mit kostenfreier Hauszustellung zu locken.

Nach wie vor wurden auch in 2014 Medienberichten zufolge mehr Fleischer-Fachgeschäfte geschlossen als neu gegründet. Die Schließungs-Gründe reichen von Verdrängung durch andere Geschäftsmodelle über „fehlenden Nachfolger“ bis zu Kapitulation vor den Kosten behördlicher Auflagen.

Natürlich nutzt der Verbraucher auch Ihre Website zur Vorab-Information über Ihr Angebot, bevor er gegebenenfalls Ihr Fleischer-Fachgeschäft als Anlaufstelle auswählt. Differenzierung über Qualität und Andersartigkeit schützt vor ruinösem Preis-Wettbewerb, wie er bei vergleichbaren Produkten ständig droht. Denn das WEB ermöglicht dem User, sich im 24/7-Rhythmus rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche über Angebote vergleichend zu informieren. Das WEB erhöht folglich den Preisdruck auf Betriebe mit austauschbarer Ware.

Regelmäßige Website-Pflege und laufende Angebots-Aktualisierung steigern die Wahrnehmung. Fleischer-Fachgeschäfte berichten von Umsatzsteigerungen im Onlineshop, die die prozentualen Zuwächse im Ladengeschäft übersteigen. Hinzu kommt: Die Internet-Recherche wird zunehmend MOBIL. Auch in 2014 hat in Deutschland die Zahl der Smart-Phone-User gewaltig zugelegt. Diejenigen Betriebe profitieren, die ihre Website entsprechend mit einem Responsive Design ausgestattet haben, um auch dem Smartphone-User den Besuch ihrer Website ohne lästiges Rein- und Rauszoomen so angenehm wie möglich zu machen. Mobile Shopping via Smartphone ist mehr als nur eine vorübergehende Tendenz, es ist ein Trend, der sich zum Mega-Trend ausweiten könnte.

Will man als Fleischer-Fachgeschäft die unzweifelhaften Vorteile der stationären Präsenz weiterhin nutzen, sollte man gleichzeitig vor dem Trend zum Mobile Shopping die Augen nicht verschließen.  So gesehen gibt es für Sie als Fleischer/Metzgermeister auf Dauer kein Entweder – Oder (hier mein stationäres Ladengeschäft – dort der konkurrierende Onlinehandel) sondern wohl nur ein Sowohl Als Auch (Mein Stationäres Laden-Geschäft UND Mein Onlinehandel). Und das umso mehr, als Deutschland in der digitalen Entwicklung offenbar noch großen Nachhofbedarf im Vergleich zu englisch-sprachigen Ländern hat. Die Kombination „Stationäres Ladengeschäft UND Onlinehandel“ bietet zudem gegenüber dem konkurrierenden reinen Onlinehandel einen entscheidenden Mehrwert: Im Ambiente des stationären Ladengeschäfts kann der Kunde „mit allen Sinnen genießen“. Kostproben neuer Kreationen kann der Kunde riechen, tasten und schmecken.

Ich wünsche Ihnen die nötige Energie und Ausdauer für zukunftsgerichtete Investitionen, viel Freude am fleischerhandwerklich-kreativen Arbeiten und das entscheidende Quäntchen Glück, um auch im Neuen Jahr erfolgreich zu sein.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen  Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
zurück zur Startseite

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

Comments are closed.