Demografie, Konsum-Trends und Anspruchsdenken

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

die demographischen Veränderungen (Deutschland wird älter) sind mit einer Zunahme der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte verbunden. (Quelle: Statistisches Bundesamt – Trends -). Gleichzeitig ist der Zuzug in Großstädte ungebrochen. Die Konjunktur in Deutschland läuft derzeit rund, das durchschnittlich verfügbare Einkommen ist inflationsbereinigt weitestgehend stabil. Und: die Zahl der Besserverdienenden nimmt zu. Die Folge: ein gesteigertes Anspruchsdenken des Endverbrauchers mit Konsum-Konsequenzen.

Der älter werdende typische, qualitäts- und preisbewusste Endverbraucher von heute legt hierbei in zunehmendem Maße Wert auf Provenienz, Transparenz und Sicherheit ( = Altersbedingte Verlagerung im Wertschätzungs-Ranking gemäß Erkenntnissen der modernen Psychologie). Und es  ist u. a. die Summe dieser Faktoren, die zu seiner Kaufentscheidung bei Lebensmitteln wesentlich beiträgt.

Die entsprechende (Kauf)-Entscheidungsfindung des Endverbrauchers auch bei Lebensmitteln unterstützen bzw. beschleunigen hierbei grundsätzlich Hersteller-Marken, da  sie eine „Abkürzung im Kopf des Verbrauchers“ ermöglichen; – denn schließlich macht jede eingeführte (Hersteller)-Marke unabhängig von ihrer Einkaufsstelle (Discounter, Supermarkt oder Verbrauchermarkt) eine ganz bestimmte verlässliche Aussage bezüglich Herkunft, Konsistenz und Geschmackserlebnis. Der Kunde kann in der Regel davon ausgehen, überall und zu jeder Zeit die gleiche Qualität und dasselbe Geschmackserlebnis zu vergegenwärtigen, das er zuvor beim Kauf derselben Marke schon hatte. Und offensichtlich ist derzeit eine wachsende Zahl der Verbraucher auch bereit, (etwas) mehr für eine Herstellermarke zu bezahlen als für einen ähnlichen No-Name-Artikel. Diese Änderung im Anspruchsdenken ist natürlich auch den Discountern nicht verborgen geblieben. Und sicher nicht zufällig wächst dort Medienberichten zufolge die Zahl von Herstellermarken gegenüber den Eigenmarken.

Was bedeutet das nun für Ihre Fleischerei/Metzgerei?

Machen Sie – trendgerecht – Ihre Fleischerei/Metzgerei zur regionalen MARKE. Bieten Sie dem Kunden Qualitäts-Konstanz, Provenienz-Sicherheit (Einkauf mit namentlicher Nennung des oder der Bauern)  und ein unverwechselbares Geschmackserlebnis aufgrund der Ihnen eigenen individuellen und typischen Würzung. Und: Vermarkten Sie die Beratung in Ihrer Fleischerei/Metzgerei aggressiver! Denn die Bedientheke ist ein wesentlicher Faktor, sich von den Großen der Branche zu unterscheiden. Während bei beratungsarmen Supermärkten und preisaggressiven Discountern der Kunde nur das Endprodukt sieht, und sich gegebenenfalls Zusatz- oder Rezeptur-Empfehlungen nur von seelenlosen Info-Terminals besorgen kann, haben Sie als Fleischerei mit Bedientheke den großen Vorteil, persönlich oder über Ihr Kompetenz-Team den Kunden nicht nur zur beraten, sondern bei ihm  Kauf entscheidende Emotionen zu erzeugen. Metzgertypische Kreativität (besonders gut einbringbar bei Convenience-Gerichten (Stichwort: „fresh to go“), die dem Kunden gelegentlich auch Überraschendes bietet, ist willkommen.

Der Kunde sollte Ihr Ladengeschäft stets mit einem ganz besonderen Gefühl verlassen, nämlich mit dem Gefühl, respektiert worden zu sein und etwas mehr im Service erhalten zu haben, als er erwartet hat. Es genügt heutzutage nicht mehr, den Kunden zufrieden zu stellen, sondern Sie müssen ihn begeistern. Erst dann wird ein zufriedener Kunde auch ein loyaler (Stamm)-Kunde.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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