Abgrenzung durch bewussten Verzicht

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

hier auf Fleischer/Metzgerblog sind im Laufe vieler Jahre wiederholt Anregungen gegeben worden, wie man sich als Fleischerei/Metzgerei bestmöglich profiliert, um vom Endverbraucher deutlich wahrgenommen zu werden.  Erläuterungen zur Sortiments-Optimierung wurden hierbei vielfach durch Empfehlungen zur Zielgruppen-Differenzierung ergänzt. Die Bedeutung der Produkt-Ebene (Sortiments-Art und -Breite, Produkt- oder Marken-Dehnung, Kannibalisierungs-Effekt) wurde gleichermaßen herausgestellt wie die Wichtigkeit der Ebene der Nutzenstiftung (Kundenwünsche wecken und erfüllen, Erwartungen und Sehnsüchte aufspüren, Trends erkennen und bedienen). Allen diesen Überlegungen war und bleibt eins gemeinsam: Sie dienten und dienen dazu darzustellen, welche Möglichkeiten Ihnen in einer handwerklich strukturierten Fleischerei/Metzgerei zur Verfügung stehen, sich durch ein bestimmtes TUN zu profilieren und gegenüber dem Wettbewerb abzugrenzen.

Haben Sie aber auch schon einmal daran gedacht, wie sinnvoll es sein könnte, sich nicht nur durch ein bestimmtes TUN sondern auch durch Unterlassen, also einen bestimmten VERZICHT deutlich wahrnehmbar abzugrenzen? Denn immer dann, wenn Sie bei Ihrer Sortiments-Präsentation auch zusätzlich darstellen, auf was Sie bei der Herstellung Ihrer handwerklichen Produkte bewusst verzichten und gleichzeitig überzeugend begründen, warum dieser Verzicht für Kunden, Umwelt und/oder regionale Infrastruktur so bedeutend sein könnte, erzielen Sie einen bedeutsamen Image-Gewinn.

Nachstehend dazu beispielhaft einige Fleischereien/Metzgereien, die mir bei meinen entsprechenden Recherchen besonders aufgefallen sind.

So erzielt zum Beispiel die hessische Landfleischerei Neumeier einen Kompetenzgewinn bei den Traditionalisten (Schwerpunkt: Sicherheit, Vertrauen, Gesundheit) unter ihren Kunden,  indem Sie unter dem Website-Icon „KEINE ZUSATZSTOFFE“ listet, was sie ganz bewusst NICHT macht. Laut Website-Aussage übt sie

VERZICHT auf

Phosphat und Zitrat

Laktose

Gluten

und Geschmacksverstärker

und profiliert sich hierbei – die Verzichtsgründe überzeugend erläuternd –  gleichzeitig für eine ganz bestimmte Zielgruppe und zwar ohne andere Zielgruppen zu verprellen.

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In Niedersachsen sind Regionalität und Nachhaltigkeit das Credo von Bauer Otte.

Unter dem  Website-Icon „Dorfleben —> Nachhaltigkeit“ erläutert Daniel Otte hierzu, was seine Fleischerei bietet, um Regionalität zu leben und Nachhaltigkeit zu erzeugen . Das erfordere u. a.  bewussten

VERZICHT auf

a) ständige Verfügbarkeit der Ware

b) und bestimmte Arten von Verpackungsmaterial.

Bauer Otte gelingt es hierdurch in überzeugender Weise, vornehmlich die Lokalpatrioten unter seinen Kunden zu sensibilisieren und an sich zu binden.

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Hoch im Norden, in Schleswig-Holstein hat die Fleischerei Fritze in Kalübbe laut eigener Aussage eigenes Vieh und schlachtet, zerlegt und verwurstet selber. Man ist stolz darauf, „Produkte in Bioland-Qualität“ herzustellen. Das bedeutet, so die Aussage des Unternehmens,

VERZICHT auf

Wachstumsförderer

Medikamenteneinsatz

Düngemittel

veränderte Substanzen

Pflanzenschutzmittel

und lange Transportwege

 

Fleischerei Fritze emotionalisiert hier gleichermaßen den Lokalpatrioten wie den Traditionalisten.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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One Response to “Abgrenzung durch bewussten Verzicht”

  1. Der Ludwig sagt:

    „Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann!“
    Antoine de Saint-Exupéry (1900-44), frz. Flieger u. Schriftsteller.

    Ich denke, das gleiche gilt auch im Metzgerhandwerk. Jemand der dies geschafft hat ist Kollege Neuburger aus Ulrichsberg in Österreich.