Das exclusive Online-Blog-SommerInterview 2012 mit Obermeister Ludger Freese – Teil eins

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

erfreulicherweise hat sich Ludger Freese, Obermeister der Fleischer-Innung Vechta und Inhaber der Fleischerei Freese mit Restaurant und Partyservice im niedersächsischen 49429 Visbek auch dieses Jahr wieder bereit erklärt, die Tradition des alljährlichen exclusiven Online-Blog-SommerInterviews fortzusetzen. Da ich heute wohl niemandem unter den Fleischer/Metzgerblog-Lesern Ludger Freese näher vorzustellen brauche, sind sicher auch Sie  gespannt zu erfahren, mit welchem Konzept der Obermeister die aktuellen Herausforderungen des Marktes derzeit meistert.

Blog-Moderator Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt

Guten Tag Herr Freese,

vor dem Hintergrund verstärkter Bemühungen von Supermärkten und Discountern, sich der metzger-typischen Domäne „Region“ bzw. „Regional-Produkt“ und „Metzger-Frische“ zu bemächtigen, sind sogleich meine ersten Fragen Ihren aktuellen Konzepten fleischerhandwerklicher Kreativität gewidmet. „Fleischerhandwerkliche Kreativität“ äußert sich hierbei nach Allgemeinverständnis zwar primär in der Innovationsfreudigkeit im Produkt-Sektor, umschließt aber auch die Investitionsbereitschaft in zeitgemäße Sachanlagen, die eine angemessene Antwort auf den ständigen Kundenwunsch-Wandel widerspiegeln.

 1. Frage Blog-Moderator:

Könnten Sie bitte erläutern, in welche Richtung sich im Laufe eines Jahres bei Ihnen der Innovationsumfang im Produkt-Bereich entwickelt hat?

Antwort Obermeister Ludger Freese:

Die Produkte entwickeln sich ständig weiter in Richtung „Alles-fertig-und-nur-noch-schieben“. Der Kunde möchte das Lob am Familientisch erleben und wir Kollegen müssen alles tun, um ihm die Möglichkeit zu geben, dieses gute Gefühl zu bekommen. Nur derjenige, der hier die Kunden erreicht, wird auch erfolgreich sein. Unsere monatlichen Kochabende sind da Kundenbindung pur und zeigen die aktuelle Problematik in den Familien. Wir klären hier durch unsere Fachkompetenz auf und gewinnen so die Kunden. Bioprodukte sind bei uns derzeit kein Thema, sondern mehr die Regionalität, die Herkunft und der Tierschutz. Das alles können wir gut in unsere Verkaufsgespräche einbauen.

Blog-Moderator:

Offensichtlich schieben sich also auch bei Ihnen solche Produkte in den Vordergrund der Wertschätzung durch den Kunden, die nicht nur durch regionale Herkunft gekennzeichnet sind, sondern gleichzeitig dem Kunden durch einfache und schnelle Zubereitung ermöglichen, Zeit zu gewinnen. Das macht natürlich neugierig auf Umfang und Zusammensetzung Ihres Sortiments.

2. Frage Blog-Moderator:

In welchem Maße und in welchem Umfang hat sich Ihr Angebots-Sortiment im Laufe eines Jahres verändert?

Antwort Obermeister Ludger Freese: 

Wir arbeiten ständig an unserem Sortiment. Ganz aktuell haben wir zur Sommerzeit 16 verschiedene Bratwurstsorten im Programm und zeigen damit unsere Fachkompetenz und kreative Vielfalt. Die Bratwurst erlebt ohnehin eine Renaissance und ist beliebter geworden. Das Grillsortiment wurde erweitert, besonders im Sektor der Geflügelprodukte. Hierzu habe ich  entsprechende Beobachtungen in Supermärkten, Discountern und bei unseren eigenen Grillevents gemacht. Viele Kunden wollen gerne mal Abwechslung. Geflügel ist da voll im Trend.

Blog-Moderator:

Abwechslung könnte nun natürlich auch durch angemessene Aufstockung oder Erweiterung Ihres Angebots-Sortiments erzielt werden.

3. Frage Blog-Moderator:  

Was halten Sie von Coffee-to-go-Angeboten, Offerten von Backwaren, Wein oder generell von Angeboten, die das Grundsortiment einer Fleischerei ergänzen – und in welchem Maße nutzen Sie das bereits?

Antwort Obermeister Ludger Freese:

Unser Bäcker im Geschäft bietet den Coffee-to-go an. Wir unsererseits haben die Kaffeespezialitäten im Programm. Das kommt sehr gut an, denn nur „einfacher Kaffee“ reicht den Kunden nicht mehr. Auch beim Beratungsgespräch für den Partyservice kommt das Thema Kaffee immer auf den Tisch; – bei einem schönen Kaffee lässt es sich besser verkaufen, und der Kunde fühlt sich wohl. Das ist heute kein Luxus mehr. Es müssen aber auch wie gesagt Top-Produkte sein und nicht irgendein beliebiger Kaffee, den es in vergleichbarer Qualität an jeder Ecke zu kaufen gibt. Abheben wie bei Fleisch und Wurst ist hier angesagt.

Blog-Moderator:

Stichwort: Regionalität

Provenienz-Sicherheit und darauf basierend Vertrauen ist ein wesentliches Argument, die Kunden für den Einkauf in einem Fleischer-Fachgeschäft zu begeistern.

4. Frage Blog-Moderator:

Wie vermitteln Sie Ihrer Kundschaft Ihre besondere Form der Integration in den regionalen Güterkreislauf und daraus abgeleitet Ihren Beitrag zur Schonung der Umwelt? 

Antwort Obermeister Ludger Freese:

Wir kaufen unser Schweinefleisch bei der Firma Eichenhof ein, weil wir hier den Kreislauf Tier-Bauer-Transport-Schlachtung-Fleischqualität-Verkauf am besten wieder finden. Dabei gehen wir aus Kosten- und Zeitgründen stark in die fertig zerlegte Ware; d.h. Hälften bekommen wir nur noch wenige, sondern mehr Teilstücke. So kann ich speziell auf meine Bedürfnisse einkaufen (Sommer, Grillen, Partyservice, Bestellungen etc.). Beim Rind- und Geflügelfleisch praktizieren wir das schon sehr lange.

Blog-Moderator:

Stichwort: Sach-Investitionen

Der typische anspruchsvolle Verbraucher von heute gilt nicht nur als qualitäts- und preisbewusst, sondern er erwartet neben einer gewissen Wohlfühl-Atmosphäre wie selbstverständlich auch einen Investitions-Standard in einer Fleischerei, der den neuesten Lebensmittel- und Hygieneverordnungen entspricht. Nun haben Sie ja jüngst nicht nur Ihr Ladengeschäft renoviert:

„Terrasse mit Sonnensegel“
© Copyright 2012 Foto: Fleischerei Freese


5. Frage Blog-Moderator: 

Wie wird die jüngste Renovierung Ihres Ladengeschäfts von der Kundschaft angenommen:

Antwort Obermeister Ludger Freese: 

Die Investition hat sich schon gelohnt. Der Standort entwickelt sich ausgesprochen gut. Wir mussten diesen Schritt gehen, weil Teilbereiche im Geschäft einfach nicht mehr aktuell waren. Dazu kommt der neue Ortskern von Visbek, der über eine zweijährige Bauphase neu gestaltet wurde. Das hat uns viel Zeit und Geld gekostet..

Das Geschäft im Imbiss/Restaurant verzeichnet hierbei immer noch Umsatz-Steigerungen. Im Ladenbereich erreichen wir diese Steigerungsraten allerdings noch nicht. Das hat viele Gründe, an denen wir kräftig arbeiten. Die Kunden, so hoffen wir, werden jedoch die Einkaufsvorteile im Fleischer-Fachgeschäft erkennen und durch ihr Einkaufsverhalten auch dokumentieren.

6. Frage Blog-Moderator:

Wie werden Ihre Investitionen in die Wohlfühl-Atmosphäre, effiziente (Hygiene)-Technik und unaufdringliche Animation via Monitor von der Kundschaft gewürdigt?

Antwort Obermeister Ludger Freese: 

Der Kunde ist schon sehr sensibel, was oder wie wir die Ware anfassen und behandeln. Entsprechend werden unsere Mitarbeiter geschult, die Ware nicht mit den Händen anzufassen. Der Fall einer Kundin, die sich geweigert hatte, eine Ware zu kaufen, weil die Verkäuferin die betreffende Wurst mit der Hand berührt hatte, zeigt mir, wie sensibel hier gehandelt werden muss.

Die Animation über den Bildschirm im Laden kann ich nur jedem Kollegen empfehlen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht durch die Filme und Bilder mit Kunden ins Gespräch komme. Die Kochvideos liefern hier eine tolle Vorlage für Zusatzverkäufe, Gespräche und Kundennutzen (Rezepte).

Blog-Moderator: 

Nun führen Sie ja nicht nur eine Fleischerei mit Partyservice sondern am gleichen Standort auch ein Restaurant.

7. Frage Blog-Moderator:

In welchem Maße ergeben sich hier synergetische Effekte?

Antwort Obermeister Ludger Freese

Fleischerei und Restaurant sind durch eine Öffnung miteinander verbunden. Kunden, die sich zufällig im Ladengeschäft treffen, nutzen die Gelegenheit, um dann gemeinsam zum Kaffee ins Restaurant zu gehen. Das schafft eine tolle Atmosphäre und viele Gespräche. Auch die regelmäßigen Ausstellungen im Restaurant (Bilder, Gemälde, Fotos) sorgen für Besuche und eine gute Lokalpresse. Auf der Sonnenterrasse vor dem Laden haben wir ein großes Sonnensegel, unter dem man sehr gut und lange sitzen kann. Auch sorgen kleine Aktionen im Laden für Gesprächsstoff. Alles zusammen animiert den Kunden zu bleiben und auch wieder zu kommen.

Im Übrigen sind wir bei unserem Restaurant „Essideen“ ganz bewusst vom Begriff „Imbiss“ abgerückt, weil hier die Bandbreite von der unteren Schublade bis zum gehobenen Imbiss doch recht beträchtlich ist. Im Übrigen war der Name Imbiss auch nicht mehr passend für das, was wir anbieten. Denn die Kunden vertrauen zu Recht darauf, beim Fleischer gutes und sicheres Fleisch auf den Teller zu bekommen. Der Mittagstisch ist hier der Frequenzbringen. Die Öffnungszeiten (mittags durchgehend) ermöglichen dem Kunden, auch sein Grillpaket mitzunehmen oder zu bestellen. Zudem sorgt die angegliederte Bäckerei für Belebung.

Blog-Moderator: 

Ich denke, Herr Freese, hier ist ein guter Zeitpunkt, eine Cäsur zu setzen.

Für Ihre offenen und aufschlussreichen Antworten danke ich Ihnen im Namen der ganzen Branche und freue mich darauf, das Interview in Kürze mit einem zweiten Teil fortzusetzen.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator),

– Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche –
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
zurück zur Startseite

 

Tags: , , , , , , , , , , ,

2 Responses to “Das exclusive Online-Blog-SommerInterview 2012 mit Obermeister Ludger Freese – Teil eins”

  1. Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt sagt:

    Teil zwei des exclusiven Online-Blog-Interviews 2012 mit Obermeister Ludger Freese am 14. August 2012 hier auf Fleischer/Metzger-Blog

  2. Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt sagt:

    Hallo Herr Freese,
    die Online-Blog-SommerInterview-Serie wird offenbar zum Kult! Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie erkennen lässt, in welchem Unfang sich der Kundenwunsch im Laufe eines Jahres wandelt – und wie man ihm Rechnung tragen kann.
    Wie schon in den Vorjahren: Große Resonanz = steigende Klickzahlen.
    Herzliche Grüße vom
    Fleischer/Metzgerblog-Moderator
    Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt