Produkt-Kannibalisierung und Frische-Aspekt

Sehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,

als regelmäßigem Leser der Fleischer/Metzgerblog-Beiträge sind Ihnen Schlagwörter wie Pareto-Effekt, Produkt-Dehnung und Kannibalisierungsrate längst ein Begriff. Und sicherlich sind Ihnen auch die Inhalte der Fleischer/Metzgerblog-Beiträge

„Die Bedeutung Ihrer Stammkunden in der aktuellen Wirtschaftskrise“

sowie

„Produkt-Differenzierung und Kannibalisierungs-Effekt“

seit längerem bekannt.

Im erstgenannten Beitrag wurde mit Hilfe des Pareto-Prinzips schlüssig hergeleitet, warum sie Ihren Stammkunden und Intensiv-Verwendern und den von diesen favorisierten Produkt-Bestläufern insbesondere in schwierigen Zeiten gesteigerte Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten.

Im zweitgenannten Beitrag wurde dargestellt, inwieweit es Ihnen gelingen könnte, bei eben diesen Bestläufern durch eine gewisse Produkt-Streckung Zusatz-Umsatz zu generieren. Betriebswirtschaftlich relevante und strategisch sinnvolle Grenzen der Produkt-Dehnung oder Varianten-Herstellung wurden erläutert.

Ein ganz entscheidender Punkt für den Produkt-Verkauf in Fleischereien/Metzgereien ist jedoch auch der Frische-Aspekt. Denn:

Ein wesentliches Attraktivitäts-Merkmal oder gar bedeutsames Alleinstellungs-Merkmal der handwerklich strukturierten Fleischerei/Metzgerei ist die sprichwörtliche „Metzger-Frische“ einer Vielzahl ihrer Produkte. Denn „Metzgerfrische“ steht in der Wahrnehmung des Endverbrauchers gleichermaßen auch für Herkunfts-Sicherheit und Vertrauen. Und so ist es sicherlich auch kein Zufall, wenn Supermärkte und Discounter mit den unterschiedlichsten Argumentationen versuchen, die Qualität ihrer Produkte in die Nähe der „Metzger-Frische“ zu rücken.

Unter dem Gesichtspunkt der „Metzger-Frische“ sind dem Umfang der Produkt-Streckung Ihrer Bestläufer Grenzen gesetzt, die möglicherweise die jeweiligen als betriebswirtschaftlich oder strategisch als sinnvoll erkannten Grenzen stark einengen.

Denn:

Mit jeder zusätzlich kreierten Variante eines bestimmten bestlaufenden Grundprodukts könnte zwar bis zu einem bestimmten Dehnungsgrad der Gesamtumsatz der betreffenden Kategorie steigen; – der Abverkauf der einzelnen Varianten könnte jedoch stark schwanken und Ihnen wechselnde Restanten bescheren, die zumindest Ihrer Vorstellung von „Metzger-Frische“ widersprechen. Ihr eigener, Ihr höchstpersönlicher Anspruch an die „Metzger-Frische“ Ihrer Produkte könnte also den Ausschlag geben, auf die Herstellung einer möglichen weiteren Varietät zu verzichten.

Auf den Punkt gebracht:

„Metzger-Frische“ hat einen hohen Umschlag pro Sorte zur Voraussetzung. Je höher Ihr Anspruch an die „Metzger-Frische“ ist, je kürzer also der von Ihnen bemessene „Frische-Zeitraum“ ist, umso weniger Spielraum bleibt Ihnen in aller Regel, ein Produkt zu strecken.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator),

Autor des neuen strategischen JAHRbuchs „BEST OF Fleischer/Metzger-Blog 2011!“

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG

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