Das Online-Blog-Interview mit Metzgermeister Philipp Kunkel in 63834 Sulzbach/Bayern

Blog-Moderator Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt:

Guten Tag Herr Philipp Kunkel,

im Herbst letzten Jahres haben Sie sich entschlossen, Ihr Ladengeschäft in 63939 Wörth/Bayern zu verpachten und in der Hauptstraße 22 in 63834 Sulzbach einen Großhandel bzw. eine Großproduktion zu beginnen. Das ist ohne Frage ein in der Metzgerbranche recht ungewöhnlicher Schritt; – denn Ihre bisherigen Kollegen werden zu Kunden.

Frage:

Könnten Sie unseren Lesern erläutern, was Sie bewogen hat, eine derart weit reichende Unternehmer-Entscheidung zu treffen?

Antwort Philipp Kunkel

Als junger handwerklicher Metzgermeister stand ich vor der Frage, ob ich den Bereich Laden mit seinen zugehörigen Teilen wie Partyservice und Geschenkideen ausbaue oder mich auf den Bereich Produktion konzentriere. Aus privaten Gründen war es nicht möglich, den Bereich Laden weiter auszubauen. Deshalb habe ich mich für den Bereich Produktion entschieden.

Blog-Moderator

Ein Wechsel der Zielgruppe (bisher: der Endverbraucher – jetzt: Fleischereien/Metzgereien und verwandte Betriebe) erfordert erfahrungsgemäß eine ganze Kette von Problemlösungen. Als Leser meiner Sachbücher aus der Fleischerei-mit-Fadenkreuz-Serie ist Ihnen diese Tatsache jedoch bewusst. Das heißt für mich aber nichts anderes als:

Sie haben einen ganz entscheidenden Strategiewechsel in der vollen Überzeugung vorgenommen,

mit dem Großhandel bzw. der Großproduktion nicht nur umgehend in der neuen Zielgruppe Fuß zu fassen, sondern auch

von Anfang an eine auskömmliche kapazitative Auslastung Ihres Betriebes zu erzielen.

Frage:

Was machte Sie hier so sicher, diesbezüglich sogleich ‚durchstarten’ zu können?

Antwort Philipp Kunkel

Da ich bereits vorher schon für Kollegenbetriebe einzelne Artikel mitproduziert habe, waren die ersten wichtigen Kontakte vorhanden. Zudem konnte ich kurzfristig und überzeugend mein Bestreben vermitteln, bei konstanter Qualität den Kollegen auch Top-Preise zu garantieren.

Blog-Moderator

Sie haben als handwerklicher Metzgermeister jahrelange Erfahrung in der Herstellung qualitativ beachtenswerter Wurstprodukte. Es ist jedoch ein Unterschied, ob man für den Endverbraucher seiner eigenen Metzgerei Kleinserien bei einer großen Zahl von Varietäten fährt, oder ob man für Einzelhandelsbetriebe bedeutsame Losgrößen bei einer beschränkten Varietätenzahl produziert.

Frage

Inwieweit können Sie Ihre handwerkliche Qualifikation in die angelaufene Großproduktion einbringen?

Antwort Philipp Kunkel

Zwar habe ich mich entschieden, nicht mehr die bisherige Vielzahl an Produkt-Varianten innerhalb einer Kategorie zu produzieren; – die so genannte „5. Leberwurstsorte“ wird es bei mir auf absehbare Zeit nicht (mehr) geben. Die emotionale Verbundenheit zum Handwerk ist jedoch ungebrochen – und deshalb biete ich meinen Kollegen Handwerksqualität zu Handelspreisen. Das günstige Qualitäts-Preisverhältnis erziele ich über eine gleichmäßigere Auslastung meines Betriebes infolge Sorten-Reduzierung

Blog-Moderator

Offenbar ist Ihre Produktion derzeit schwerpunktmäßig auf Wurstwaren ausgelegt. Sie haben einen hohen Qualitätsanspruch, und insbesondere die Großserien ermöglichen Ihnen, auch eine gewisse Qualitätskonstanz zu garantieren. Gemäß Ihrer persönlichen Aussage mir gegenüber produzieren Sie ferner frei von allergenen (Zusatz-)Stoffen, arbeiten nur mit Naturgewürzen und mischen die Gewürze selber. Das sind ohne Frage bemerkenswerte Fakten. Eine entscheidende Frage jedoch drängt sich auf:

Frage:

Wie begegnen Sie der verständlichen Forderung Ihrer Kundschaft nach unverwechselbarer Metzgerfrische?

Antwort Philipp Kunkel:

Durch die gestiegene Menge ist es notwendig, täglich frisch zu produzieren. Außerdem produzieren wir nicht auf Lager sondern nach Bestelleingang. Das gewährleistet unseren Kunden eine lange Haltbarkeit.

Des Weiteren investieren wir ständig in die Ausbildung und Weiterbildung unserer Mitarbeiter, deren Engagement im Endeffekt auch den Ausschlag gibt.

Ferner liefern wir mit unserem eigenen Kühlfuhrpark bis 100km im Umkreis; darüber hinaus arbeiten wir mit Kühlspeditionen.

Blog-Moderator

Ihr Großhandel/Großproduktion läuft seit November letzten Jahres und somit heute bereits den vierten Monat. Ich hatte Gelegenheit, Ihren täglichen Produktionsplan mit Fertigungs-Reihenfolge einzusehen. Auffällig ist auch hier: Das „Pareto-Prinzip“ greift auch hier: Sie machen mit relativ wenigen Artikeln über 50 Prozent Ihres Umsatzes.

Frage:

Könnten Sie erläutern, welche Wurstkategorien derzeit regional stark nachgefragt werden und könnten Sie gegebenenfalls auch erklären, warum?

Antwort Philipp Kunkel:

Der Trend nach Außer-Haus-Verzehr hält weiterhin an, das Wachstum der Single-Haushalte ebenso. Da ist es nicht verwunderlich, wenn der schnelle Snack, auch für Ernährungsbewusste, weiterhin am wachsen ist. Diese Entwicklung machen wir uns zunutze, indem wir Serviceleistungen/Zuschnitte für unsere Kunden bieten. Trotzdem kann ich bestätigen: Auch der kraftvolle Imbiss (Würstchen, Fleischkäse etc.) wird weiterhin in Deutschland gerne verzehrt.

Blog-Moderator

Herr Kunkel, hier ist ein geeigneter Zeitpunkt, eine Cäsur zu setzen. Ich danke Ihnen für Ihre offene und Nutzen stiftende Informationsbereitschaft. Ich freue mich darauf, hier auf Fleischer/Metzger-Blog das Interview in Teil zwei demnächst fortzusetzen.

Ich sehe mit Interesse den Kommentaren entgegen.

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator)

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2 Responses to “Das Online-Blog-Interview mit Metzgermeister Philipp Kunkel in 63834 Sulzbach/Bayern”

  1. Sehr geehrte Frau Niemeier,

    sicherlich haben sie ein Recht darauf bei ihrem Metzger zu erfahren, was hausgemacht und was zugekauft ist. Wir sehen unsere hausgemachten Waren als Ergänzung bzw. Unterstützung für die moderne Metzgerei, die Ihnen dadurch oftmals Sorten bieten kann, die selbst schwierig zu produzieren sind aufgrund zu geringer Menge oder zu großer Belastung.
    Viele Grüße

  2. Erika Niemeier sagt:

    Hallo Herr Kunkel,
    ich lese hier im Blog fast jeden Beitrag.
    Manch ein Metzger wird sicherlich gern bei Ihnen zukaufen. Als Kundin möchte ich bei meinem Metzger jedoch erkennen können, was hausgemacht und was zugekauft ist.
    Viele Grüße