„Update Einzelhandel“ – Der Strukturwandel im Fachhandel als Herausforderung und Chance – Teil drei

März 28th, 2015

Kompetente Referenten/Innen auf dem 27. Handelsforum OWL in Bielefeld überzeugen durch konzeptionelle Anregungen und Perspektiven

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Beitrag schließt sich unmittelbar an den Beitrag „Update Einzelhandel“ – Der Strukturwandel im Fachhandel als Herausforderung und Chance – Teil zwei an.

Auf Einladung vom Handelsverband Ostwestfalen-Lippe e. V. (Hauptgeschäftsführer: Thomas Kunz) betritt als nächster Referent Thomas Grimme das Podium.

Thomas Grimme, Bleywaren, Cloppenburg referiert zum Thema

Offlinekonzepte für den Onlinehandel

Möglichkeiten der Personalisierung und Empfehlung

Thomas Grimme beginnt mit einer Gegenüberstellung der jeweiligen Besonderheiten von Online-Shop und stationärem Geschäft. Während im Onlineshop mit seinen Möglichkeiten der Datensammlung (woher kommen die Leute?) der Service nach dem Kauf (z. B. kostenlose Retouren) wichtig sei, überzeuge das stationäre Geschäft durch die Möglichkeit des persönlichen Kontaktes und entsprechend individueller Beratungsmöglichkeit. Veranstaltungen generierten Aufmerksamkeit und trügen zur Kundenbindung bei. Bedeutend jedoch wäre: Im Onlinehandel sei die Konkurrenz wesentlich größer als im stationären Geschäft. Deshalb sollten sich Onlinehändler mit verschiedenen Sortimenten aber gleicher Zielgruppe zusammenschließen.

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Das Auditorium ist anschließend natürlich besonders gespannt, als die Moderatorin Corinna Lampadius mit André Lösekann einen Fachhändler aus der Region  ankündigt.

André Lösekann, Brooks GmbH & Co. KG, Bielefeld referiert zum Thema

Brooks

Unestablished since 1989

Schon früh, so der Referent, habe er sich die Frage gestellt, was einen Kunden im Einzelhandel halte, wie er kontinuierlich die Aufmerksamkeit des Kunden genießen könne. Hierbei spiele der Marken-Mix samt Ambiente eine bedeutende Rolle. Der Kunde solle sich bei ihm wohlfühlen, da er sich mit dem Angebot identifizieren könne. Entsprechend seien seine Läden nach Optik und Bestückung jeweils deutlich wahrnehmbar auf die Wünsche und Erwartungen ganz konkreter bedeutender Kundengruppen ausgerichtet. Durch dieses „Lösekann-Konzept“ könne ein Kunde bei Änderung seines Wünschespektrums problemlos von einem Laden-Konzept ins andere wechseln. Auf diese Art und Weise könne man einen Kunden ein Leben lang begleiten. Da viele Marken-Produzenten jedoch bereits selektiv verteilten, müsse man sich rechtzeitig Marken sichern, um sein Alleinstellungsmerkmal zu behalten.

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Als nächster Referent wird Antonius Linnemann vorgestellt.

Antonius Linnemann, Linnemann – mehr als Bücher, Paderborn referiert zum Thema

Lust auf Wandel

Chance für die Zukunft

Getreu seinem Konzept „Linnemann – mehr als Bücher“ habe es ihm zeitlebens Spaß gemacht, gegen bestehende Regeln der Branche zu verstoßen. Die von ihm und seinem Team praktizierte „demonstrative Individualität gegenüber dem Kunden“ habe ihm nach seiner Überzeugung einen Bekanntheitsgrad von über 90% in Paderborn gebracht. Fünfzig Prozent seiner Kunden kauften ein Buch nicht für sich selbst sondern als Geschenk. Man müsse mit der Zeit gehen. So habe er eine Kaffeebar eingerichtet, um die Verweildauer des Kunden zu erhöhen. Zudem habe er seinen Internet-Shop genutzt, um online und offline miteinander zu bündeln und das Augenmerk auf die Auslieferung zu richten: Sein „Fahrrad-Kurierdienst“ sei inzwischen durch einen „Lieferservice per Auto“ ergänzt worden.

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Den Schlusspunkt unter den Referenten setzt Wolfgang Gruschwitz.

Wolfgang Gruschwitz, Gruschwitz GmbH, München widmet sich dem Thema

Retail Design

Wie Ihr Laden zur Marke und Ihr Kunde zum Fan wird

Getreu seinem Wahlspruch „Function follows Emotion“ widmet Wolfgang Gruschwitz von Anfang an dem Thema Emotionen angemessenen Raum. Das limbische System sei rudimentär und steuere den Menschen unterbewusst. So seien Fans die besten Werbeträger. Und er fügt hinzu „Wer Fans hat, hat Erfolg.“ Hierzu solle man seine eigene Geschichte erzählen. Der Mensch suche nicht nur Geborgenheit in Netzwerken, sondern Erfolg habe auch derjenige Betrieb, der es verstünde „zu involvieren und zu unterhalten“. „Lassen Sie Ihren Kunden teilhaben!“ Und zur Untermauerung seiner Thesen fügt er u. a. beispielhaft und überzeugend hinzu: In London existiere kaum noch ein Ladengeschäft OHNE Café. Denn so steige der Erlebniswert, und die Kunden blieben länger. Auch sei ein Online-Bike-Shop sehr erfolgreich, bei dem man im Laden über Tablet sein Rad zusammenstellen und anschließend gleich mitnehmen könne.

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Das 27. Handelsforum OWL 2015 schließt mit einer Danksagung des stellvertretenden Vorsitzenden Handelsverband OWL Rainer Schorcht an die Referenten und Sponsoren sowie dem Hinweis auf den nächsten Termin des 28. Handelsforums  OWL am 27. April 2016.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen  Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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“Update Einzelhandel” – Teil eins
“Update Einzelhandel” Teil zwei

 

“Update Einzelhandel” – Der Strukturwandel im Fachhandel als Herausforderung und Chance

März 26th, 2015

Kompetente Referenten/Innen auf dem 27. Handelsforum OWL in Bielefeld überzeugen durch konzeptionelle Anregungen und Perspektiven

IMG_4274 - 27. Handelsforum OWL

„Geballte Kompetenz beim 27. Handelsforum OWL: Thomas Grimme (v. l.), Antonius Linnemann, Alexander von Keyserlingk, Rainer Schorcht, Rolf Schwager, Corinna Lampadius, Wolfgang Gruschwitz, Petra Massin-Jung, Jens Fedeler, André Lösekann, Martin Knabenreich und Thomas Kunz“

© Copyright 2015 Foto: Martin Seidel / Handelsverband Ostwestfalen-Lippe e. V.

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

am 24. März 2015 hatte der Handelsverband Ostwestfalen-Lippe e. V. (Hauptgeschäftsführer: Thomas Kunz) zum 27. Handelsforum (Projektleitung: Susanne Eickelmann) in die Bielefelder Stadthalle geladen. Und offensichtlich trifft man mit dem alljährlich gewählten Topic und der Auswahl qualifizierter Referenten/Innen stets den Nerv der Zeit.

Das gewählte Thema

Update Einzelhandel –

Strukturwandel als Herausforderung und Chance für den stationären Fachhandel

schürte auch dieses Mal wieder die Erwartung auf einen bedeutsamen Kongress. Und das umso mehr, als die gewählte Mischung aus Fach- und Praxisreferenten eine Situationsbeurteilung aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Aussicht stellte.

Entsprechend ist das Auditorium in der Bielefelder Stadthalle bis auf den letzten Platz erwartungsvoll besetzt. Und sogleich nutzt Rainer Schorcht, Stellvertretender Vorsitzender Handelsverband OWL die Gelegenheit, nach Begrüßung der Gäste und Dank an die Sponsoren die derzeitige Wettbewerbssituation des stationären Handels auf den Punkt zu bringen.

Der stationäre Handel, so Rainer Schorcht, habe mit einer Reihe von Kostennachteilen zu kämpfen. Denn er konkurriere mit vergleichsweise niedrigen Mieten der Lagerhallen von Logistikhändlern, die vom  Distanzhandel bedient würden. Es gälte, diese Benachteiligung den örtlichen Vermietern bewusst zu machen, denn der stationäre Einzelhandel gäbe den Kommunen nicht nur eine Sicht, sondern leiste auch einen wichtigen Beitrag zur Gewerbesteuer.

Es liegt sodann auch dieses Jahr wieder in den Händen der Moderatorin Corinna Lampadius, Journalistin und TV-Moderatorin, mit Dr. David Bosshart den ersten Referenten des Tages vorzustellen.

Dr. David Bosshart, Gottlieb-Duttweiler-Insitut St. Gallen, Schweiz referiert zum Thema

„Die Zukunft des Handels“

Den Terminus „Handel ist Wandel“ (schneller, besser, billiger) aufgreifend, sensibilisiert er sofort das Auditorium, indem er feststellt: „Der Handel entwickelt sich zu langsam.“ Und er liefert hierzu sogleich einen historischen Vergleich: Hätten vor zehn Jahren noch Technologie-Konzerne wie Microsoft, Sony und Nokia die Entwicklung getrieben, seien die Schrittmacher heute Amazon, Apple, Google und Facebook, und von China aus sei z. B. Alibaba auf dem Vormarsch. Der Anteil von Technologie in Waren, so der Referent des weiteren, nähme weltweit zu. Und er fügt hinzu: „Das hat auch Einfluss auf den Handel!“ Denn letztlich sei der Handel bedeutsamer Teil einer Wertschöpfungskette. Jedoch:

Während Computer immer schneller, leistungsfähiger, billiger und zuverlässiger würden, entwickle der Mensch sein Verhalten nur langsam. Künstliche Intelligenz könnte dem Menschen dabei helfen, sich besser zu organisieren. Hierzu bedürfe es jedoch großer Vorstellungskraft.  Es fehle nämlich nicht an Technik, sondern an Vorstellungskraft. Und er fügt hinzu: “Es gibt niemals gesättigte Märkte, sondern nur gesättigte Führungskräfte!” Denn es gälte auch in Zukunft:

Ohne Vorstellung keine Darstellung

Ohne Darstellung keine Geschichte

Ohne Geschichte kein Vertrauen

 

„In der digitalen Welt befindet sich alles in Zerlegung.“

Wertschöpfungsprozesse würden in Einzelteile zerlegt. Und Einzelteile würden wieder neu zusammengesetzt. Hierdurch könnten Funktionen neu kombiniert werden, neue Partnerschaften könnten entstehen. Technologie-Systeme würden sich dabei exponentiell entwickeln und den Menschen überholen. Künstliche Intelligenz könne so dem Menschen dabei helfen, sich besser zu organisieren. Robotik habe längst Einzug auch in den Service-Bereich gehalten (Kaffee-Automaten). In China gäbe es bereits die ersten vollroboterisierten Restaurants, wo Roboter den Service übernähmen. Die Entwicklung selbst fahrender Autos  würde voran getrieben.

Sharing Economy

Beziehungen würden wichtiger als Produkte. Den hohen Fixkosten gehöre ganz sicher NICHT die Zukunft. Entscheidend sei vielmehr die „Verfügbarkeit bei Bedarf“. Die Entwicklung von Car-Sharing sei hierfür ein Beispiel.

„Die neue Welt ist magisch!“

Der Autor ist überzeugt: „Bequemlichkeit ist in uns angelegt.“ Convenience (bequem, einfach und schön) sei der Treiber.

Es sei für den Handel wichtig, dem Kunden das Einkaufen so bequem und angenehm wie möglich zu machen. Der Kunde schenke demjenigen Vertrauen, der ihm das Leben erleichtere, ihm eine Freude mache und ihm dabei das Gefühl gäbe, er habe Kontrolle über seine Daten.  Hierbei habe der stationäre Handel, der es verstünde online und offline miteinander zu verbinden, den großen Vorteil, im persönlichen Kundengespräch vor Ort das Vertrauen zu festigen und die Kauf entscheidenden Emotionen aufzubauen.

 

Soweit Auszüge aus dem Referat des Dr. David Bosshart, der es verstanden hat, das Auditorium jederzeit zu fesseln.

Die Würdigung weiterer Referate des 27. Handelsforums OWL ist separaten Beiträgen auf Fleischer/Metzgerblog vorbehalten.

 

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen  Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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“Update Einzelhandel” – Teil zwei
“Update Einzelhandel” – Teil drei

“FH Nord gut angenommen”

März 20th, 2015

Vorläufiger Schlussbericht zur neuen Messe für das Fleischerhandwerk im Norden zieht positives Fazit

FN15_4c_purSehr geehrter Herr Fleischer/Metzgermeister,
offensichtlich ist das Konzept der INTERNORGA stimmig, die  FH Nord, die neue Messe für das Fleischer-handwerk im Norden, zeitlich parallel und standortnah zur INTERNORGA in einer Halle am CCH – Congress Center Hamburg durchzuführen.

  1. Rund 100 Aussteller der FH Nord bilden Prozesskette des Fleischerhandwerks ab
  2. Fleischerinnungen entwickeln attraktives Rahmenprogramm
  3. Kombination der FH Nord mit der INTERNORGA schafft Synergien

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“FH Nord 2015. Plattenwettbewerb zum Thema “Barbecue””
© Copyright Foto: HMC / Nicolas Maack / FH Nord 2015

Unter dem Topic „FH Nord gut angenommen“ erläutert der vorläufige INTERNORGA-Schlussbericht zur FH Nord (15. – 17. März 2015) hierzu wie folgt:

Erstmalig an den Start ging die FH Nord als neue Messe für das Fleischerhandwerk im Norden, ebenfalls mit erfolgreichem Ergebnis. In einer Halle am CCH – Congress Center Hamburg präsentierten die Aussteller für das Fleischerhandwerk alles aus den Bereichen Arbeits- und Betriebstechnik, Rohstoffe und Halbfabrikate, Lebensmittelsicherheit und Hygiene, Geschäftseinrichtung, Ausstattung und Umwelttechnik. „Der Verlauf der Erstveranstaltung zeigt, wie richtig es war, die INTERNORGA um diese neue Messe zu ergänzen. Damit haben wir zum einen im Norden einen neuen Branchentreffpunkt für das Fleischerhandwerk geschaffen. Zum anderen ging unser Konzept auf, und mehr als die Hälfte der Besucher kamen sowohl zur FH Nord als auch zur INTERNORGA“, sagt Bernd Aufderheide. Ein positives Resümee ziehen auch die Fleischerinnungen aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, die das umfangreiche Rahmenprogramm entwickelt hatten.

Ich grüße Sie herzlich

Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)

Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen  Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel

Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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P. S. Vorbericht zur FH Nord 2015 auf Fleischer/Metzger-Blog:
Produkte, Innovationen und Dienstleistungen für Produktion und Verkauf