Hochkarätige Referenten machen auf der Jubiläums-Veranstaltung Erfolgsursachen sichtbar
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
„Erfolgreich HANDELN!“ – Das 25. Handelsforum OWL in Bielefeld – Persönlichkeit, Einsatz, Vision – Erfolg hat viele Gesichter
ist am 24. April 2013 das Topic auf der Jubiläumsveranstaltung in der Bielefelder Stadthalle. Der folgende Teil schließt sich an meinen Beitrag vom 28. April 2013 zum gleichen Thema an.
Auf Einladung des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe e. V. setzt Richard Oetker mit seinem Referat ganz besondere Akzente.
Richard Oetker, pers. haftender Gesellschafter Dr. August Oetker KG, Bielefeld
referiert zum Thema
Werte als Wettbewerbsfaktor – die Unternehmens-philosophie von Dr. Oetker
Richard Oetker ist seit dem Jahre 2010 an der Spitze des im Jahre 1891 als Nahrungsmittelbetrieb gegründeten Unternehmens, das im Laufe der Jahrzehnte gemäß Aussage des Referenten getreu dem Motto „Lege niemals alle Eier in einen Korb“ in verschiedene Branchen mit derzeit insgesamt 26.000 Beschäftigten diversifiziert hat.
Die Antwort des Richard Oetker auf die einleitende Fragestellung der Moderatorin Ina Böttcher „Wie profitiert das Unternehmen von der Lebenserfahrung des Richard Oetker?“ lässt erahnen, wo der Referent die Schwerpunkte setzen wird. Denn Richard Oetker sieht den Menschen als den wichtigsten Erfolgs-Faktor eines Unternehmens. „Man muss zuhören und Geduld mitbringen. In unserem Unternehmen sind alle Mitarbeiter wichtig.“
Richard Oetker sieht Wertebewusstsein und ethisches Verhalten als Basis der Unternehmenskultur. Werte und Normen seien wichtig für Ordnung UND individuelle Freiheit. Dort, wo entsprechendes vom Team „gelebt“ würde, ergäbe sich ein großer Vorteil gegenüber dem Wettbewerb. In einem Familien-Betrieb wie Oetker hätten die Interessen des Unternehmens Vorrang vor dem Privatleben der Eigentümer. So gälte im Hause Dr. Oetker die Maxime, „Geerbtes in noch besserem Zustand an die Nachfolger zu übergeben“. Entsprechend seien langfristige Strategien und Visionen in einem Familienbetrieb eher umzusetzen als in einer Aktiengesellschaft, wo die Vorstände vielfach nur wenige Jahre im Amt wären.
Bei Dr. Oetker sei zudem Thesaurierung möglich, da sich die Gesellschafter unter der Maxime „Sicherheit vor maximaler Rendite“ mit einer niedrigen Ausschüttung zufrieden gäben. Zudem sähe man bei Dr. Oetker das Unternehmen als soziale Einheit innerhalb der Gesellschaft. Folgerichtig würde deshalb das Gemeinwesen bei wichtigen Aufgaben unterstützt. Umweltschutz und Klimaschutz seien wichtig. Jede Oetker-Generation habe bestimmte Projekte gefördert, in die man auch Aktionen der Mitarbeiter einbringe. Im Ausbildungsbereich Dr. Oetker kooperiere man mit weiter führenden Schulen. Projekte wie „Hand in Hand“ oder Anschaffung von Hilfsmitteln für Behinderte dienten nicht nur der Mitarbeiter-Identifikation mit dem Unternehmen sondern sorgten auch für Reputation in der Gesellschaft. „Moralische Intelligenz“ zahle sich letztlich aus, da werte-orientiertes Handeln vom Endverbraucher langfristig honoriert würde.
„Ethisches Verhalten“, so mahnt Richard Oetker, „wird immer wichtiger.“ Nach Überzeugung des Referenten befindet sich unsere Marktwirtschaft diesbezüglich auf einem historischen Tiefstand. Richard Oetker schließt deshalb zusammenfassend mit dem Satz:
„Wertebewusstsein, ethisches Handeln und Nachhaltigkeit sind als feste Basis einer gesunden Unternehmensphilosophie unverzichtbar.“
Soweit Richard Oetker, wie ich ihn verstanden habe.
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Die abschließende Frage der Moderatorin Ina Böttcher, was für ihn nach Kenntnis sämtlicher Referate neu wäre, nutzt Ferdinand Klingenthal dazu, wie folgt zusammen zu fassen.
Die Soziale Marktwirtschaft, so der Vorsitzende des Handelsverbandes OWL, sei eine Wirtschaftsform, die es ermögliche, „die Dinge weiter zu entwickeln“. So könne Bestehendes optimiert werden. Integration und Identifikation des Mitarbeiter-Teams mit dem Unternehmen seien von zunehmender Bedeutung. So könne man die Mitarbeiter „wirken“ lassen. Die neue Generation sei durchaus willig, erwarte aber ein besonderes Umfeld. Die besonders Leistungswilligen unter den Jüngeren würden ihre Lebensumstände individueller ausgestalten wollen. Und er schließt mit dem Satz: „Das wird eine spannende Sache.“ Soweit Ferdinand Klingenthal.
Mein Fazit:
Eine vergleichende Gegenüberstellung der Kernthesen der Referenten zu Ursachen des Erfolges könnte zusätzliche Erkenntnisse bringen. Vergleicht man die Kernthesen der einzelnen Referenten miteinander, dann ist folgendes auffällig.
Strategie:
Focussierung auf die Kernkompetenz erhöht die Wahrnehmung durch den Endverbraucher
Frank Seidensticker benennt als Kernkompetenz „Hemden und Blusen“.
Torsten Toeller sieht die „Fressnapf“-Kernkompetenzen als Summe aus räumlicher Nähe und Kulanz sowie bei Auswahl und aggressivem Preis, die sich um die Fachkompetenz scharen.
Vertikalisierung ermöglicht, die ganze Wertschöpfungskette abzuschöpfen, jede einzelne Stufe der Wertschöpfung zu kontrollieren, die Qualität zu optimieren und die Kontrolle über sein Handeln zu bewahren.
Frank Seidensticker und Torsten Toeller argumentieren diesbezüglich weitestgehend übereinstimmend.
Innovationen:
Kreative Eigenmarken dienen der Abgrenzung gegenüber dem Wettbewerb.
Innovationsführerschaft schafft Reputation und Vertrauen. (Frank Seidensticker)
Auch Torsten Toeller ist überzeugt, Eigenmarken würden getreu dem Grundsatz „Raus aus der Vergleichbarkeit“ der Abrenzung und Profilierung des Unternehmens dienen.
Ähnlich argumentiert Wilhelm Weischer, der sich sicher ist, sich auf Dauer nur über Eigenmarken profilieren und Kauf entscheidende Emotionen beim Verbraucher auslösen zu können.
Problem jedoch: Eigenmarken sind im Netz schwer zu finden.
„Innovationen entstehen aus Widersprüchen, aus ungewöhnlichen Zusammenstellungen.“ (Dr. Peter Kreuz)
Mitarbeiter-Motivation:
Mitarbeiter-Identifikation mit dem Unternehmen erzeugt Schaffensrausch.
Wilhelm Weischer sieht in motivierten Mitarbeitern einen wesentlichen Erfolgsfaktor. Folgerichtig widmet er in seinem Unternehmen dem Arbeitsumfeld, der Ausbildung und der Stärkung des Teamgeistes breiten Raum
Richard Oetker sieht in motivierten Mitarbeitern einen wesentlichen Teil der Unternehmenskultur, die einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil generieren könne. So würde man Mitarbeiter-Aktionen gezielt fördern, die dem Gemeinwohl dienten. Das schaffe Mitarbeiter-Identifikation mit dem Unternehmen.
Marketing:
Mobile Shopping ist auf dem Vormarsch.
Flagship-Stores, Location based Push Marketing, M2M-Technologie, Pop-Up-Stores, Angebote zum Mobile Shopping generieren Umsatz. (Frank Seidensticker)
Torsten Toeller clustert die Kunden nach Themenfeldern und Vorlieben, um die Kaufmotive der Kunden immer besser zu verstehen und sich entsprechend auszurichten.
Cross Channeling:
Multi-Channeling ist durch Cross Channeling zu optimieren.
Torsten Toeller ist überzeugt, der Kombination von Online-Shopping und stationärem Einkaufen (z. B. online bestellen und stationär abholen oder stationär beraten lassen und online ordern) gehöre die Zukunft. Hierzu müssten die Online-Preise allerdings den stationären Preisen angeglichen werden.
Auch Wilhelm Weischer sieht im Cross Channeling eine große Herausforderung, in das in seinem Falle zusätzlich auch die Franchise-Nehmer mit einzubinden wären. Auch er sieht die Notwendigkeit der Preisangleichung zwischen Online-Shop und stationärem Ladengeschäft, da Cross Channeling den Preisvergleich ermöglicht.
Summa Summarum bietet das 25. Handelsforum OWL in Bielefeld ein wahres Füllhorn anregender und begeisternder Kreativität. Natürlich habe ich auch dieses Mal wieder die Gelegenheit genutzt, mich mit einzelnen Referenten persönlich zu unterhalten. Der übereinstimmende Tenor: DEN Königsweg gibt es nicht. Und den hat sicherlich auch niemand erwartet. Es ist vielmehr die Summe betriebsindividuell zusammenzustellender und zusammen wirkender Faktoren, die den entscheidenden Unterschied machen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind umso bedeutender, als sie nicht nur in vielen Fällen ähnlich oder gar deckungsgleich sind, sondern zudem von Unternehmern vorgestellt wurden, die Ihr empirisch untermauertes Wissen um die Ursachen des Erfolges freimütig und mit großem Respekt voreinander öffentlich gemacht haben.
Ich grüße Sie herzlich
Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Fleischer/Metzgerblog-Moderator)
Autor strategischer Sachbücher für die Fleischer/Metzger-Branche
Autor des aktuellen Strategie-Buchs “Die Metzger-Bibel”
Verlag: Strategie-Verlag Schmidt KG
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